• 22. Juni 2008 11:06
  • Sendung vom 21.06.2008, Topic

Fiktionale Fernsehformate im Netz


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Er ist zurück und rettet die westliche Welt – Jack Bauer. Der Agent der fiktiven Antiterroreinheit CTU wird wieder 24 Stunden am Stück Terroristen jagen und Präsidenten beschützen – zur Faszination der Zuschauer. Nur auf den ersten Blick ist „24“ ein ganz normaler Thriller. Denn Bauer ist ein Mann, der permanent auf einem Grat zu wandern scheint. Ständig wird er überrascht von neuen Forderungen und Gefahren, auf die er blitzschnell reagieren muss. Das Besondere an Bauer ist, „dass er zugleich uns allen erfahrbar macht, wie es ist, mit der launischen Göttin Fortuna umzugehen. Und von daher ist er tatsächlich so etwas wie eine mythische Gestalt, die gegen die Macht des Schicksals sich durchsetzt. Und das ist ein Muster, das über die Figur hinausgeht.“ 
Und ebensolche, die Figuren überragenden Muster seien es, die US-amerikanische Serien so attraktiv machten, meint Dirk Blothner, Medienpsychologe an der Universität Köln. Überpersönlich und universell sind diese Grundsituationen, mit denen der Zuschauer konfrontiert wird. Die Stärke der Muster: sie wirken unbewusst und damit umso stärker.
Verantwortlich dafür ist auch die unkonventionelle Umsetzungsform. Rasante Schnitte, Parallelmontagen von verschiedenen Handlungssträngen auf einem Screen, die Bebilderung von Gedanken – all das hält den Zuschauer in Atem. „Das sind Techniken der filmischen Darstellung, die die Zuschauer ungemein aktivieren“,so Blothner. Sie können eigentlich gar nicht Couch Potato sein, sie müssen sich aus den Puzzlestücken, die ihnen angeboten werden, selbst den Sinn zusammenbauen.“
All das erinnert ans Internet. Gelten diese Gestaltungsregeln nicht auch fürs Netz? Sind „24“, „CSI“ oder „Desperate Housewifes“ etwa schon netzkompatibel? Darüber reden wir mit Stefan Wieduwilt, einem freien Film- und Fernsehproduzenten, der sich mit der Entwicklung neuer Formate befasst. /vli