• 2. September 2011 18:09
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 03.09.2011

Fernsehen der Zukunft

Die Medien und Meinungen von der Internationalen Funkausstellung in Berlin


> MP3-DOWNLOAD

Der Blogger und Netz-Promi Sascha Lobo ist ja immer gut für einen deftigen Kommentar. Entsprechend bezeichnete er die Internationale Funkausstellung in Berlin (IFA) 2009 als “Rentnertreff, wo zwischen 400 verschiedenen HDTV-Formaten verhandelt wird, wie das Musikantenstadl der Zukunft aussieht.”

Über appleTV, googleTV, tweakTV, IPTV, 3DTV und andere Zukunftsformate des Fernsehens, sowie über wichtige Themen der IFA informiert Vera Linß in den Medien und Meinungen.

Ein Highlight der diesjährigen IFA ist das so genannte Smart TV. Dahinter verbirgt sich erst mal ganz allgemein die Verbindung von Fernsehen mit internetbasierten Diensten auf dem Fernsehgerät. Die Idee ist ja nicht neu, erste Modelle, die das können, wurden schon vor Jahren auf der IFA präsentiert. Diesmal scheint es aber wirklich ernst zu werden mit der Verschmelzung von Online- und Fernsehwelt. Die Industrie vermarktet das Ganze jetzt unter dem klingenden Namen „Smart TV“, damit, so die Hoffnung, lässt sich an den Boom der Smartphones anknüpfen. Wichtigste Komponente aus Sicht der Fernsehsender bei Smart TV ist das so genannte HbbTV (Hybrid broadcast broadband TV). Unter diesem technischen Standard bieten fast alle deutschen Fernsehsender Zusatzangebote an. Nach einem einfachen Prinzip: man drückt man den „Red Button“ auf der Fernbedienung, gelangt dann man über das laufende Programm etwa in die Mediathek der ARD oder auf Programmtrailer der Privaten. Für ausgewählte Sendungen gibt es noch zusätzliche Angebote – wie Mannschaftsaufstellungen im Fußball oder Votingmöglichkeiten bei Spielshows. HbbTV können inzwischen die meisten Fernsehgeräte und weil das so gut läuft geht Holger Wenk, Sprecher der deutschen TV-Plattform, einem Zusammenschluss von Programmanbietern, Industrie und Wissenschaft, davon aus, dass Angebote wie Apple oder Google TV kaum eine Perspektive in Europa haben. Im Moment haben gerade mal 10 % aller deutschen Haushalte internetfähige Fernsehgeräte

Ein weiteres Thema ist: 2 Klicks-für-mehr Datenschutz. Dahinter stehen datenschutzfreundliche Facebook „Gefällt mir“ Buttons. Kürzlich – wir erinnern uns – hatte der Oberste Datenschützer Schleswig-Holsteins alle Website-Betreiber des Bundeslandes dazu aufgefordert, ihre Fanpages bei Facebook und Social-Plug-ins wie den „Gefällt mir“-Button zu entfernen. Begründung: Diese würde gegen den Datenschutz verstoßen. Seit Donnerstag dieser Woche nun gibt es ein Datenschutz-freundliche Einbindung des „Gefällt mir“-Buttons, vorgestellt von heise.de. Wenn der User jetzt auf die Seite heise.de kommt, muss er erst einen inaktiven, angegrauten „Gefällt mir“-Button anklicken, bevor die Information, dass man auf der Seite ist, an Facebook weitergeleitet wird. Facebook hat inzwischen dagegen protestiert; die Imitierung eines Facebook-Buttons will man nicht akzeptieren, der von heise.de entwickelte inaktive Facebook-Knopf sei ein Verstoß gegen die Regeln des sozialen Netzwerks. Daraufhin hat heise diesen angegrauten Fake-Facebook-Button modifiziert, das will Facebook jetzt akzeptieren, auch wenn man nicht begeistert ist. Inzwischen gibt es eine rege Nachfrage im Netz an der 2-Klick-Lösung. Über 500 Anfragen habe es inzwischen bei heise gegeben, heißt es. Auch wir wollen diesen Button auf unsere Website breitband.dradio.de einbauen. Auch beim Radiosender swr3.de ist er bereits im Einsatz und der Vollständigkeit halber sei gesagt: das ist nicht die erste 2-Klick-Antwort auf die „Gefällt mir“-Buttons. Seit Erscheinen dieses Buttons im April 2010 hat der Berliner Software-Entwickler Dorian Roy  auch eine 2-Klick Lösung entwickelt.

Außerdem: DAB Plus ist bis 4. September in Dortmund abgeschaltet. Das sorgte für einiges Aufsehen, Hintergrund ist eine Demonstration am Wochenende, bei der man mit einem Aufeinandertreffen von Neonazis und tausenden Gegendemonstranten rechnet. Das nordrhein-westfälische Innenministerium befürchtet, dass die Verbreitung von DAB Plus während der Demonstration die Koordination von Einsatzkräften über den Behördenfunk behindern könnte. Rundfunkmacher sind empört über die Abschaltung, sie wird als Präzedenzfall angesehen und als Eingriff in die Rundfunkfreiheit, man dürfe das nicht auf sich beruhen lassen, auch DLR-Intendant Willi Steul äußerte Kritik. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es gestern auf einer IFA-Veranstaltung, man werde sich kümmern, das so etwas ein Einzelfall bleibe.