• 21. November 2008 09:11
  • Off-Air, Sendung vom 22.11.2008

Europas digitale Bibliothek ist online – mit geringer deutscher Beteiligung


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Manche sehen in ihr die digitale Version der Bibliothek von Alexandria:
die Online-Bibliothek „Europeana“, die Europas  kulturelles Erbe über das Internet zugänglich machen soll – nicht nur Bücher und Dokumente, sondern auch Musik, Fotos, Karten, Gemälde und Filme. Das Portal brach unter dem enormen Nutzeransturm zusammen.

Insgesamt drei Millionen Dateien stehen zum Start zur Verfügung, bis 2010 sollen zehn Millionen Objekte abrufbar sein. Die Exponate kommen aus europäischen Museen, Büchereien, Archiven, Ton- und Filmsammlungen.
Als digitales Museum wird eine grenzübergreifende Sammlung realisiert, wie der Projektleiter Jonathan Purday hervorhebt. „Mozarts Manuskripte sind sonst verstreut über die British Library, die französische Nationalbibliothek, sowie österreichische und deutsche Bibliotheken. In Europeana sind sie auf einem Fleck.“ Ähnliches gilt für den naturwissenschaftlichen Bereich. Instrumente Galileos sind genauso ausgestellt wie Darwins Manuskripte.
Für den Unterhalt des Portals zahlt die Kommission pro Jahr zwei Millionen Euro, die Länder schießen insgesamt noch einmal 500.000 Euro zu. Bisher sind nur etwa ein Prozent aller europäischen Kulturgüter digitalisiert. Um die Zahl von zehn Millionen Werken bis 2010 zu erreichen, müssen die Staaten nach Schätzung der Kommission zusammen weitere 350 Millionen Euro in die Hand nehmen.
Mehr als die Hälfte der zwei Millionen Dokumente, die dort angebotenen werden, stammt aus Frankreich. Lediglich ein Prozent der Dokumente enthält Informationen zur deutschen Kultur.  Das wunderte auch EU-Kommissarin Viviane Reding, die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständig ist: „Ich finde die Zahlen erstaunlich. Aus Frankreich stammt die Hälfte der Inhalte. Sogar der Fall der Berliner Mauer wird mit einer französischen Dokumentation präsentiert“, sagte sie laut New York Times.

Die EU will in den kommenden zwei Jahren aber weitere 119 Millionen Euro bereitstellen, um die Erforschung und Entwicklung von Technologien zur Digitalisierung voranzubringen. Die digitalisierten Objekte werden von einem Team aus Archivaren, Bibliothekaren und IT-Spezialisten in der Königlichen Bibliothek im niederländischen Den Haag geordnet, vernetzt und auf Europeana bereitgestellt. Was auf die Plattform gelangt, entscheiden die Museen selbst. Aktuelle Inhalte werden aber vorerst kaum angeboten – aus finanziellen und rechtlichen Gründen. Die Kosten für die Lizenzierung urheberrechtlich geschützter Werke würden den Etat des Projekts schnell sprengen. In Zukunft könnte jedoch ein integriertes Authentifizierungssystem und die Möglichkeit von pay-per-use per Mausklick implementiert werden.