• 25. September 2010 16:09
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 25.09.2010

Elektronischer Personalausweis unsicher

Medien und Meinungen vom 25.09.10


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Diese Woche hat Vera Linß den Nachrichtenticker beobachtet und folgende Themen mitgebracht:

1.) Sicherheitslücken im elektronischen Personalausweis
Der Chaos Computer Club hat erhebliche Bedenken zum elektronischen Personalausweis geäußert. Der soll 1. November dieses Jahres in Deutschland eingeführt werden und kann dann zur elektronischen Identifikation zum Beispiel im Internet eingesetzt werden. Er hat eine kontaktlose Schnittstelle mit einem wieder beschreibbaren Chip, dort sind biometrische Informationen und elektronische Identitätsdaten gespeichert. Diese, so hat jetzt der CCC demonstriert, können problemlos gehackt werden. Hacker können auf die PIN des Personalausweises zugreifen, diese ändern und damit dann online einkaufen und ein Konto eröffnen. Für die Besitzer des Personalausweises bedeutet das, so Constanze Kurz vom CCC, dass er gar nicht mehr auf seinen eigenen Ausweis zugreifen kann, weil ein Fremder die PIN geändert hat. Auch die digitale Signatur auf dem Personalausweis, die ist bisher noch optional, kann gehackt und geklaut werden.

2.) Machtkampf bei Wikileaks
Erst kürzlich hatten wir an dieser Stelle darüber berichtet, dass in Bälde mit einer neuen Veröffentlichung von Akten durch Wikileaks zu rechnen ist, dabei soll es sich um Material aus dem Irak-Krieg handeln. Heute haben wir aber anderes zu berichten: Es wird schmutzige Wäsche gewaschen bei Wikileaks. Wie der SPIEGEL vorab berichtet, hat der Deutschland-Sprecher von Wikileaks seinen Rückzug angekündigt.  Grund sei ein Zerwürfnis mit Wikileaks-Gründer Julian Assange. Auch andere Mitarbeiter seien unzufrieden: „Da gibt es eine Menge Unmut, und einige werden wie ich aussteigen“, wird er zitiert. Hintergrund des Streits soll vor allem sein, dass sich die Plattform  zu sehr auf große Projekte konzentriert habe  und kleinere, nationale Dokumente vernachlässigt worden seien. Versuche, das zu korrigieren, sind wohl gescheitert und mit dem Vorwurf der Illoyalität gekontert worden. Nun ist also Schluss für Daniel Schmitt, der zu allem Überdruss jetzt seinen richtigen Namen preisgegeben hat. Eigentlich heißt er Daniel Domscheit-Berg, so seine Auskunft. 

3.) Verleger schweigen zu depub.org
Die Überraschung der Woche: Die Zeitungsverleger wollen sich nicht zu depub.org äußern. Das Argument von BDZV-Geschäftsführer Dietmar Wolff gegenüber Breitband: die Depublizierung von öffentlich-rechtlichen Inhalten im Internet ginge nicht auf eine Forderung der Verleger zurück. Darum stört sie auch die Republizierung durch depub.org nicht. Ihnen ginge es grundsätzlich um etwas ganz anderes, nämlich das Publizieren an sich und dabei insbesondere um die tagesaktuelle Vertextung von Bewegtbild- und Audioinhalten. Wenn sich jemand über die Republizierung aufregen müsse, dann seien das die privaten Fernsehsender. Dort wiederum heißt es, das sei nicht deren Angelegenheit, sondern Sache der Verleger. Eine Einschätzung zu depub.org durch die privaten Fernsehanbieter gibt es bislang nicht, vielleicht ja in der kommenden Woche.