• 20. September 2014 15:09
  • Netzkultur, Sendung vom 20.09.2014

Eine neue Radio-Utopie

In den USA beschreitet ein Radio-Indielabel neue Podcastwege


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Wer am Samstagmittag keine Zeit hat, der kann Breitband auch als Podcast hören, als Angebot des Deutschlandradios. Es gibt aber auch privat produzierte Audioangebote im Internet. Während es in Deutschland bisher zum Großteil bei Hobby-Podcastern bleibt, ist man in den USA mal wieder weiter: Podcast-Netzwerke erreichen dort ein Millionenpublikum, leben von Sponsoren und von Spenden der Hörer. Aber auch dort sitzt die Szene fest. Zumindest, wenn man auf das Format schaut: Es dominieren stundenlange Talksendungen, denn die lassen sich ohne viel Aufwand produzieren. Ein Kollektiv von Radiomachern setzt seit Anfang 2014 aufwändig produzierte Hörstücke dagegen und will damit die Podcast-Landschaft in den USA auf die nächste Stufe heben. Das Radio-Indielabel Radiotopia des US-Radiojournalisten und Podcasters Roman Mars etwa umfasst bisher sieben Formate. Die Sendungen erscheinen wöchentlich und teilweise im Monatsrhytmus. Christian Grasse hat sich die neuen Online-Radioformate angehört.

Und wer schon schon Lust auf ein paar der Podcast-Geschichten bekommen hat – hier einige Beispiele:

    • Juan kam vor 16 Jahren illegal in die USA. Er war einer von mehreren Jugendlichen, die im Rahmen der Sendung „Radio Diaries“ ein Aufnahmegerät bekamen, um ihren Alltag zu dokumentieren. 16 Jahre später erreicht Juan erneut eine Anfrage der Radiomacher, sie baten ihn um die Fortsetzung seiner Geschichte. Er erzählt von einem Leben zwischen gefühlter Normalität Amerikaner zu sein und der ständigen Angst abgeschoben zu werden.

    • Der erste bemannte Flug auf die Mondoberfläche am 20. Juli 1969 war ein Erfolg. Die abenteuerliche Reise hätte aber auch zum Desaster werden können. Für diesen Fall stand dem damaligen US-Präsidenten Nixon eine Rede zur Verfügung, die er nach einem möglichen Scheitern der Weltöffentlichkeit präsentiert hätte. Genau hier setzt das Stück „Moon Graffiti“ an. Die Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin sitzen auf dem Mond fest, eine Rückkehr zur Erde ist unmöglich und ihr Sauerstoff reicht noch zwei Stunden.

    • Daryl Davis beschreibt in knapp 40 Minuten seine im ersten Augenblick unverständliche Freundschaft zu KKK-Mitgliedern. Wie kann ein schwarzer Blues- und Country-Musiker eine Freundschaft zu weißen Hardcore-Rassisten aufbauen? Davis erzählt aus seinem eindrucksvollen Leben und zeigt Wege auf, wie der Kampf gegen Rassismus beschritten werden kann.

    • Das Stück “Tunnel 57″ beginnt mit einer 5-Punkte-Liste über die Berliner Mauer. „Five steps to keep in a defecting population.“ 99 Percent Invisible ist ein Design-Podcast. Moderator Roman Mars macht aber gleich deutlich, dass es hier nicht um das Design der Mauer geht. Es geht viel mehr um eine Design-, bzw. Ingenieurs-Leistung, die die Berliner Mauer umgehen oder besser gesagt untergraben sollte. Die Geschichte des Fluchthelfers und Tunnelbauers Ralph Kabisch.

Foto von Purple Sherbet Photography, CC BY 2.0