• 27. Oktober 2009 21:10
  • Medienwandel, Off-Air, Sendung vom 31.10.2009

Echtzeit vs. Relevanz?


Die Bedeutung der Suchmaschinen und sozialen Netzwerke wächst geradezu täglich. Vorbei die Zeiten origineller URLs und Domains, die reichten, um im WWW zu reüssieren. Entscheidend ist heute die Präsenz auf Plattformen wie StudiVZ, auf Statusportalen wie Twitter und natürlich im Googleindex. Das digitale Wissen mindestens aber die binärgestützte Information wird von den Aggregatoren, den Plattformen und Suchmaschinen gelistet, indexiert und im besten Fall userfreundlich kartographiert.
Bleibt nur die Frage, ob es ein Primat der Geschwindigkeit, also der Echtzeitdarstellung der ständig wachsenden Informationen wie beispielsweise auf Twitter oder ein Primat der Relevanz gibt, wie es das Suchergebnis auf Google behauptet. Nun erkennen die Suchmaschinen die Beschleunigung der Netzkommunikation Richtung Echtzeitweb ja mittlerweile an und bemühen sich um die Intergartion von Twitter und Co. Bleibt aber die Frage, wie sich Relevanz und Echtzeit in Zukunft zueinander verhalten.
Ein interessante Variante dieses Kulturkampfes en miniature bietet zur Zeit Facebook. Aufgeschreckt vom Erfolg Twitters, stellte man den dortigen Newsfeed, der über die Events und News der „Freunde“ informiert, auf Echtzeitbetrieb um. Zuvor hatte ein System von „Bedeutungskriterien“ (Schnittmengen, Links, Events etc.) die Nachrichten der Freunde nach Relevanz sortiert.
Es war gerade mal im März 2009, als Facebook diesen zentralen Newsfeed umstellte. Alle Statusmeldungen waren ab sofort chronologisch geordnet. Die Echtzeitdebatten, die Simultankommunikation sollte nicht der Kurznachrichtenplattform Twitter aus San Francisco überlassen werden.
Und jetzt? Kein halbes Jahr später geschieht’s. Facebook verpasst sich bei vollem Bewußtsein ein Downgrade. Zumindest wird die Rücknahme der Änderung von zahllosen Usern so empfunden. Facebook erklärt diesen ungewöhnlichen Schritt zwar mit einem umfangreichen Feedback der User. Es habe eine enorm negative Resonanz gegeben, heißt es dazu im Facebook-Blog. Im radikalen Gegensatz dazu stehen die rasant wachsenden Facebookgruppe mit so hübschen Namen „We hate the new Facebook!“ oder „Change Facebook back to Normal!“
Ganz offenbar scheinen auch User hinsichtlich der Sortierung der digitalen Information nach Zeit, Relevanz und demnächst wohl ganz selbstverständlich wohl auch im Raum ganz unterschiedliche Vorlieben zu haben. Wir bleiben neugierig auf die Such- und Findtools der Zukunft…