• 22. Oktober 2011 18:10
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Duqu, Staatstrojaner, Pseudonyme

Die Medien und Meinungen vom 22.10.2011


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Mit dem Herbst kommen die Viren. Und nicht nur die Grippe, auch die Computerviren gingen diese Woche wieder um. Anja Krieger hat sich schlau gemacht über einige besonders ausgefuchste Viren, die derzeit unterwegs sind.

Virenanalysten berichten von einem neuen Virus, das Programmiercode mit Stuxnet teilt. Der komplexe Wurm wurde unter anderem in einer Uran-Anreicherungsanlage im Iran gefunden und befällt Siemens-Industrie-Systeme. Sein möglicher Nachfolger begnügt sich hingegen mit ganz normalen Windows-Computersystemen. Duqu heißt dieser neuentdeckte „Hintertürtrojaner“.

Candid Wüest von der Firma Symantec hat Duqu mit analysiert:

„Von der Funktionalität her ist Duqu nicht spektakulärer als andere Trojaner, wie wir sie täglich zu Tausenden sehen. Das, was es speziell macht, ist sicher, dass fast 50% vom Programmcode 1:1 übernommen wurde von Stuxnet. Und das geht eigentlich nur, wenn die Urheber auch Zugriff auf den Quelltext von Stuxnet hatten.“

Eine der Spekulationen ist, dass Duqu einen Stuxnet-ähnlichen Angriff vorbereiten sollte. Was aber das Ziel des Angriffs ist, bleibt vorerst unklar. Für normale Nutzer ist das Risiko gering, sagt Candid Wüest. Es sieht eher nach einem gezielten Angriff aus – gefunden wurde Duqu im industriellen Kontext.

Stuxnet und Duqu sind möglicherweise von staatlicher Seite beauftragt worden, so wird vermutet. In Deutschland arbeitet die Regierung ja auch schon mit Trojanern, wie der Chaos Computer Club kürzlich aufdeckte. Die bayrische Piratenpartei hat jetzt Klage unter anderem gegen Bayerns Innenminister und den Präsidenten des bayrischen Landeskriminalamtes wegen Verletzung des Datenschutzgesetzes durch den sogenannten „Staatstrojaner“ eingereicht. Eine neue Version der Spähsoftware ist aufgetaucht, die noch mehr kann.

In der dritten Meldung geht es nicht um Viren, sondern Googles neue Toleranz. Über den Versuch des Konzerns, in seinem sozialen Netzwerk Googleplus nur Klarnamen zuzulassen, haben wir ja schon mehrmals berichtet. Jetzt scheint der Konzern in den Protesten der „Nymwars“, der „Pseudonymkriege“, eingeknickt zu sein. Laut einem Google-Vertreter plant Google Pseudonyme zuzulassen. Die Frage ist nur: Was für Pseudonyme? Wird Google auch selbst darauf verzichten, Realnamen und Ausweisnummer in seine Datenbank zu schreiben?

Bild: Pixel Virus von ssoosay Surian Soosay auf Flickr, CC-by