• 17. Juni 2009 10:06
  • Off-Air, Sendung vom 20.06.2009

Digitales Radio in Deutschland – Neustart vor dem Aus?


Noch Ende März dieses Jahres sah alles hoffnungsvoll aus. Die Rundfunkkommission der Länder gab grünes Licht für die Einführung eines neuen bundesweiten Digitalradios. Man verständigte sich darauf, bei der Bundesnetzagentur den Bedarf für einen so genannten Multiplex für das „Digitalradio plus“ anzumelden. Bei diesem Verfahren werden Datenströme wie Bild, Ton und Text in einem gemeinsamen Kanal gebündelt, womit mehr Hörfunkprogramme über einen Kanal transportiert werden können als bisher. Im derzeit vorherrschenden analogen UKW-Netz sind die Frequenzen längst erschöpft. Die neue Technik soll zu einem Drittel vom Deutschlandradio und zu zwei Dritteln von privaten Hörfunkveranstaltern genutzt werden.

Möglichst bald sollten weitere Bedarfsanmeldungen auf Länderebene für landesweite und regionale Angebote der ARD und von Privaten folgen. Damit könnten künftig durch „Digitalradio plus“ pro Land insgesamt 30 bis 40 Hörfunkprogramme und Dienste im modernen digitalen Standard DAB plus/DMB angeboten werden, hieß es weiter aus der für den Rundfunk zuständigen Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig hatten sich die Länder darauf verständigt, dass die ARD- Rundfunkanstalten pro Land jeweils ein weiteres ausschließlich über „Digitalradio plus“ verbreitetes neues Hörfunkprogramm ausstrahlen dürfen. Kurzum: Der Weg schien frei für einen erfolgreichen Neustart von Digitalradio in Deutschland.
Doch jetzt ziehen dunkle Wolken über dem Digitalradio-Himmel auf. Der Verband privater Rundfunk und Telekommunikation, VPRT, will sich bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstag nächster Woche (25. Juni) gegen einen solchen Neubeginn des digital-terrestrischen Hörfunks aussprechen, kündigte der Vorsitzende des Fachbereichsvorstandes Radio und Audiodienste, Hans-Dieter Hillmoth, in einem Interview an. Damit stünde der Neustart des digitalen Radios im Standard DABPlus in Deutschland vor dem Aus.
Die ARD reagierte mit Befremden. „Mit einer Absage an DABplus würde der VPRT die Zukunft des Radios verzocken“, sagte Bernhard Hermann, der Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission. Im Übrigen sei die Einschätzung von Hillmoth nicht richtig, dass es keine vernünftigen Geschäftsmodelle gebe, so der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust. Die ARD habe Konzepte für digitales Radio entwickelt, die den Erwartungen an individuelle, multimediale und der jeweiligen Alltagssituation angepasste Nutzung entsprechen und neben dem Live-Radio quasi ein Radio „on demand“ beinhalten. „Diese Konzepte, die sehr wohl Spielraum für eine kommerzielle Nutzung beinhalten, hat die ARD dem VPRT vorgestellt und eine Zusammenarbeit angeboten“, erläuterte Boudgoust.
Deutschlandradio-Intendant Dr. Willi Steul appellierte an den VPRT, die Einführung des digitalen Hörfunks auf DAB-Basis nicht zu verhindern. Sollte aufgrund der Verweigerungshaltung vieler Privatsender mittelfristig keine digitale terrestrische Verbreitung aufgebaut werden können, so müsse eine grundlegende Neuordnung der UKW-Frequenzen umgesetzt werden, was nicht nur für die etablierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, sondern auch für die privaten Rundfunkunternehmen zu hohen Kosten und Versorgungseinschränkungen führen werde.
Der Vorsitzende des Fachbereichsvorstandes Radio und Audiodienste im VPRT, Hans-Dieter Hillmoth, erwiderte zur ARD-Kritik, die kritische Position des VPRT zu DABplus sei „sowohl mit Blick auf die mangelnde Marktfähigkeit des Systems als auch mit Blick auf die fehlenden Refinanzierungsmöglichkeiten ausführlich begründet und getragen von dem Interesse, die Überlebensfähigkeit des privaten Radios auch in der digitalen Welt zu sichern.“  VLinß