Digitaler Kommunismus, kollektive Intelligenz und die Kulturflatrate


Howard Rheingold erläuterte in dem Standardwerk „Virtuelle Gemeinschaft“ anhand der Pionier-Community „The WELL“ die Möglichkeiten, Chancen und Abläufe von geistiger Kooperation. Der Medienforscher Volker Grassmuck beschreibt, wie diese Strukturen über die Grenzen virtueller Communities hinaus die Vorstellung einer Wissensallmende prägen. Theoretische Anstöße gab auch die von Pierre Lévy etablierte Konzeption der kollektiven Intelligenz – eine Wissenskooperation zwischen Menschen in Wirtschaft, Politik, Technologie, Ethik und Ästhetik:
 „Es ist eine Intelligenz, die überall verteilt ist, sich ununterbrochen ihren Wert erschafft, in Echtzeit koordiniert wird und Kompetenzen effektiv mobilisieren kann. Dazu kommt noch ein sehr wesentlicher Aspekt: Grundlage und Ziel der kollektiven Intelligenz ist gegenseitige Anerkennung und Bereicherung und nicht ein Kult um fetischisierte, sich verselbstständigende Gemeinschaften“
Kevin Kelly – Chefredakteur der Wired – sieht in den digitalen Techniken des Social Web eine neue Alternative zu rein marktwirtschaftlichen Funktionsprinzipien mit weitreichenden Konsequenzen für gesamtgesellschaftliche Strukturen:     
At nearly every turn, the power of sharing, cooperation, collaboration, openness, free pricing, and transparency has proven to be more practical than we capitalists thought possible. Each time we try it, we find that the power of the new socialism is bigger than we imagined. We underestimate the power of our tools to reshape our minds. Did we really believe we could collaboratively build and inhabit virtual worlds all day, every day, and not have it affect our perspective? The force of online socialism is growing. Its dynamic is spreading beyond electrons—perhaps into elections.
Kelly versucht den Begriff des Sozialismus für die digitale Gegenwart zu rekonstruieren, indem er ihn aus seinen politikwissenschaftlichen und historischen Bedeutungen herauslöst und als bloßen Platzhalter für neue Meme  (Teilhabe, Teilnahme, Zusammenarbeit, hierarchischer Kollektivismus) verwendet.
Peter Glaser verfolgt auf carta.info einen andere Argumentation: Der Idee des Kommunismus wird nun mit den Mitteln des digitalen Kapitalismus doch noch zum Sieg verholfen:
Im Widerspruch zu einem marktwirtschaftlich frei fließenden Datenstrom stehen die Einkapselungen der Inhalte in die Datenkäfige des Digital Rights Management (DRM). „Eigentum ist Diebstahl“ erhält auf diese Weise eine ganz neue Bedeutung, denn ginge es nach dem Willen von DRM-Falken, würde es ein Eigentum der Nutzer an digitalem Gut nicht mehr geben. Bücher, Musik, Filme oder Software, die diesen neuen  Beschränkungen unterliegen, kann man quasi nur noch ausleihen, wie ein Kolchosegerät. Bei einer solchen Neubewertung des Urheberrechts scheint es im Kern darum zu gehen, das Privateigentum abzuschaffen.
Foto: Dr. John 2005