• 20. April 2012 16:04
  • Netzmusik, Sendung vom 21.04.2012

Diese Musik ist in Deinem Land nicht verfügbar – nur in Kenia

Die Netzmusik vom 21.04.2012


> MP3-DOWNLOAD

Musikalischer Schwerpunkt ist das Netz-Projekt Raw Music International, das sich zum Ziel gesetzt hat, unentdeckte Untergrund-Musik aus wenig beachteten Teilen der Welt aufzuspüren und zu dokumentieren. Im ersten Teil geht es um Klänge aus Kisumu, einer Stadt im Westen Kenias. Die musikalischen Feldaufnahmen des Projekts aus den USA kann man sich auch auf einem digitalen Mixtape aus dem Netz herunterladen, gerade ist dazu eine neue Single erschienen.

Dort in der kenianischen Provinz Nyanza ist z.B. eine Urform des Blues entstanden, genannt Benga: Traditionelle Gitarrenmusik mit erzählendem Sprechgesang, die sich so in den 60er Jahren herausgebildet und seitdem ein eigenes Genre populärer Musik in Kenia auf den Weg gebracht hat. Olima Anditi ist etwa ein typischer Vertreter dieses Sounds, der auch auf dem Mixtape vertreten ist. Über die Musikplattformen Bandcamp oder das Free Music Archive, bei denen die Musik zum download bereit steht, kann man dem Mann auch Geld zukommen lassen. Vielleicht bekommt der mittellose, blinde Musiker so mal etwas mehr als die etwa 2 Dollar Trinkgeld, wenn er dort in einer lokalen Bar auftritt.
Die Musik auf dem Mixtape reicht von solchen traditionellen Klängen bis hin zu moderneren Formen von HipHop, Reggae und Dubstep, wie er auch in den regionalen Radiostationen zu hören ist.

Natürlich werden wir auch in der Netzmusik das Gema-/YouTube-Urteil widerspiegeln. Eines der 12 Werke, die da vor Gericht behandelt wurden, ist „Rivers of Babylon“. Basierend auf dem biblischen Psalm 137, wurde die Nummer 1978 ein Welthit von Boney M. 1979 wurde das Lied mal von 280.000 Katholiken in Irland gesungen, als dort der Papst zu Besuch war. Also sowas wie kulturelles Allgemeingut?

Bei uns gibt’s zwei Versionen, die beim Free Music Archive zum download zur Verfügung stehen. Bill Baird, ein Alternative Folk-Musiker aus Austin, Texas, hat seine vor 2 Wochen live aufgenommen beim Radiosender WFMU in New Jersey, dem das FMA angeschlossen ist.

Und kaum wieder zu erkennen sind Boney M in der Dub-Fassung von der Imperial Sound Army feat. Dan I  – Mitglieder der Italian dub community, die sich 2006 gegründet hat, um dort Freunde von Dub und Reggae zu verknüpfen: Mit eigener Website, Blog und einer umfangreichen Compilation, die – in Zusammenhang mit dem Netlabel Aquietbump – einen Überblick über die italienische Szene geben soll. Schließlich war schon das Original, 1970 von The Melodians geschrieben und eingespielt, eine Reggae-Nummer, bekannt geworden durch den Film „The harder they come“.

Außerdem zum Schluss der Sendung einer aus der riesigen Liste von Songs, die viele Bands weltweit jetzt zum Record Story Day am Samstag extra in besonderen Vinyl-Ausgaben veröffentlichen: in orange, weiß oder gold, mit Siebdruck oder – wie bei dieser Vinyl-Single – mit Downloadlink.
Und vielleicht denkt der eine oder andere ja mal darüber nach, warum er Vinylplatten zwar total cool findet, seine Musik aber immer nur für lau aus dem Netz saugt? Oder warum es nur noch so wenige Plattenläden gibt? Die meisten davon machen am Samstag Sonderaktionen. Bei uns also Rosie Thomas und Sufjan Stevens mit „Where were you“ – frei übersetzt mit: „Wo warst Du, als die Plattenläden starben?“

PLAYLIST:
1. The Conscious Youths – Conserve de trees

2. Bill Baird“Rivers Of Babylon”

3. Imperial Sound Army feat. Dan I„Rivers of Babylon“

4. The Anchoras – Jah love

5. LaFam ft. Chiness –  Aduwa

6. Eli Sketch – K.O.

7. Rosie Thomas & Sufjan Stevens – Where Were You?

 

Foto: Raw Music International