• 18. Juni 2010 17:06
  • Besprechung, Netzpolitik, Sendung vom 19.06.2010

Die Nachricht über der Nachricht


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Der Journalist Wolf Schneider bezeichnete die Überschrift eines Artikels mal als „Nachricht über der Nachricht“. Wer schon einmal selbst eine Überschrift oder einen Titel entwerfen musste, weiss wie viel Schwierigkeiten diese kurze Zeile einem Autor machen kann. Die Überschrift „verkauft“ den ihr folgenden Text, daher kommt ihr ganz besondere Bedeutung zu. Zeitungsredaktionen stecken Tag für Tag viel Aufwand in die Erstellung von Artikeln und ebenfalls viel Aufwand in gute, griffige Titel, die neugierig auf mehr machen sollen. Das ist seit zig Jahren das Geschäft von Print Journalisten. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Rechtsexperte des Verbands Deutscher Zeitungsverleger (VDZ), Christoph Fiedler, nicht nur kurze Textauszüge (so genannte „Snippets“) für schutzwürdig hält, sondern auch die „Überschriften, Sätze und Satzteile“. Das blog netzpolitik.org veröffentlichte auszugsweise ein Eckpunktepapier der Branchenverbände VDZ und BDZV.

Seitdem Internetangebote wie Google News die Webseiten von Zeitungsverlagen systematisch „abgrasen“ und die Überschrift von Artikeln gefolgt von den ersten zwei, drei Zeilen zusammenstellen und veröffentlichen, fangen die Verleger an Sturm zu laufen. Die schwarz-gelbe Koalition hatte in ihren Koalitionsvertrag geschrieben, dass sie den Verlegern mit einer rechtlichen Regelung helfen wolle, ihre journalistischen Leistungen zu schützen – daher der Begriff Leistungsschutzrecht.

Am Montag Abend hielt Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in Berlin eine vielbeachtete Rede zum Urheberrecht. Darin machte sie auch deutlich, dass es sie eine Lücke im Schutz von Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern gegenüber jenen sieht, die die Artikel nur weiter verwerten. Sie stellte aber auch klar, dass Presseverlage von einem Leistungsschutzrecht  keine finanziellen Wunder erwarten dürften.

Für Breitband kommentiert der Journalist Matthias Spielkamp die Rede der Bundesjustizministerin.