• 17. Februar 2009 03:02
  • Besprechung, Sendung vom 21.02.2009

Die Bucht vor Gericht


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Der Untergang der Musikindustrie – und womöglich der des Films- ist eng verbunden mit der Zunahme des Filesharings und deren Techniken. Ein gutes Drittel des gesamten Datenverkehrs im Internet besteht aus sogenannten Bit-Torrent-Paketen. Diese Technik ermöglicht den Austausch von großen Dateien zwischen vielen Benutzern. Wer mit Bit-Torrent Film-Dateien herunterladen möchte, braucht nur einen ersten zentralen Anlaufpunkt, der Rest funktioniert hiervon losgelöst, also dezentral.

Mit eine Hilfe eines gutsortierten Anlaufpunktes findet Bit Torrent sofort selbsständig tausende Tauschpartner, die bereits Teile der Datei besitzen – und los geht das Filesharing-Vergnügen. Bereits nach einer Stunde kann ein kompletter Spielfilm oder eine Linux-Distribution auf die heimischen Festplatte gelangen. So hat sich Bit Torrent zu einem weiterbreiteten Werkzeug zur dezentralen Dateiverteilung entwickelt – viele Entwickler von Open Source-Software oder alternative Filmemacher sparen hierdurch hohe Traffic-Kosten.
Wie immer kann auch hier ein sinnvolles Werkzeug missbraucht werden. Der Austausch von urheberrechtlich geschützen Werken per Bit Torrent ist natürlich illegal. Weil er aber mangels einer Zentrale kaum kontrolliert und unterbunden werden kann, konzentrieren sich die Anwälte der „bestohlenen“ Rechteinhaber auf die angreifbareren Erstverteiler von geschützem Material. Der populärste dieser Tracker-Dienste heißt Pirate Bay – und seine Betreiber stehen gerade vor einem schwedischen Gericht.
Ob sie bald hinter ebensolche Gardinen kommen, ist fraglich. Nicht zuletzt weil die Piraten argumentieren, man würde ja selbst keine illegalen Dateien verteilen, man würde nur hobbymäßig ein paar Datei-Besitzer verbinden. Rechtlich stehen dem aber die hohen Werbebanner-Einnahmen der Piraten entgegen, Piratenbuchtbetreiberei lohne sich finanziell, so die Industrie-Anwälte – und das wäre wiederrum illegal. Ein Rechtsspruch wird für Anfang März erwartet. Heute nachmittag sprach das Radiofeuilleton mit einem Vertreter des Chaos Computer Clubs über die Buchtverhandlungen. Einen Mitschnitt gibts hier. Und aktuelles Getzwitscher bei Twitter.
Wie immer der Prozess ausgehen wird – er wird nicht das Ende der Dateipiraterie einläuten. Denn viele Offshore-Paradiese sichern mit laxer Gesetzgebung derart verfolgten Internetbetreiber die Existenz. Cyber-Somalias, aber breitbandig angebunden an den Rest der Netzwelt. Sichere Inseln gehörten schon immer zu Piratenmythen.
Foto: Ross_Angus @ flickr // CC-Lizenz