• 8. September 2012 12:09
  • Besprechung, Netzpolitik, Sendung vom 08.09.2012

Der rosa Riese drosselt die Daten

Statt Netzneutralität: Der neue Telekom-Dienst "Music Unlimited"


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Die Telekom hat auf der IFA einen neuen Dienst namens „Music Unlimited“ für seine Mobilfunkkunden vorgestellt, der zunächst sehr spannend klingt: Für vergleichsweise günstige zehn Euro im Monat zusätzlich darf man so viel Musik über den populären Streaming-Anbieter Spotify auf dem Smartphone hören, wie man möchte. Dabei betont der rosa Riese, dass die Spotify-Musik im Rahmen einer exklusiven Kooperation nicht gegen das Datenvolumen verrechnet wird, das der Nutzer sonst verbrauchen würde.

Kollege Ben Schwan hat sich den Dienst angesehen, sieht aber einen gewaltigen Pferdefuß – und der ist nicht technisch bedingt, sondern netzpolitisch. Die Telekom beginnt mit einem Dienst wie „Music Unlimited“ nämlich durch die Hintertür, die Netzneutralität auszuhebeln. Aus einem neutralen Internet wird ein gesteuertes Netz, das bestimmte Dienste bevorzugt.

Der Hintergrund: Die großen Telekommunikationsanbieter haben das Problem, dass sie eigentlich nicht viel wichtiger sind als Gas- oder Wasserwerke. Sie sollen möglichst günstig und zuverlässig Internet an die Haushalte liefern, nicht mehr und nicht weniger. Und dieses Geschäft wird zunehmend zu einer austauschbaren Commodity, wie man so schön sagt – in manchen Ländern liefert sie sogar teilweise der Staat. Aus diesem Grund wird nach neuen Geschäftsfeldern gesucht. Dass es dabei potenziell an die Grundfesten des Internet geht, scheint den Managern offenkundig egal zu sein. Sogar im Festnetzbereich geht es in Richtung künstlich gedrosselter Datenvolumen.

Bild oben:
Die rosarote Brille war ja schon immer selektiv. Wer andere Sachen lädt, kann ja beim Warten fernsehen.
Foto: Hobvias Sudoneighm CC-by, eingetintet von uns