• 21. November 2015 12:11
  • Besprechung, Sendung vom 21.11.2015
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Der mediale Sauerstoff des Terrors

Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit


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„Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit sind der Sauerstoff des Terrorismus“, sagte der Journalist Yassin Musharbash kürzlich in einem Vortrag bei der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes am 19. November 2015. Medien entscheiden über die Verteilung dieser beiden Ressourcen, so Musharbash. Mit der fortlaufenden Berichterstattung über die Folgen, Hintergründe und Drahtzieher der Anschläge in Paris tappen Medien in die PR-Falle der Terroristen, denn die planen ihren medialen Auftritt bei Anschlägen mit ein. Sie werden sogar Quellen-Lieferant, indem sie selbst Videos und Fotos inszenieren, die ihre Taten dokumentieren.

»Woher wissen wir eigentlich, dass der „Islamische Staat“ bedeutende Altertümer in Palmyra gesprengt hat? Wir wissen es von den Dschihadisten selbst. „Bildquelle: IS-Propagandavideo“ steht dann unter den Fotos in der Zeitung.« (Yassin Musharbash)

Eine terroristische Aktion ohne die darauf folgende Presse wäre für den so genannten IS eine Niederlage. Was wohl passieren würde, wenn man die Berichterstattung einfach einstellt? Dass gar nicht berichtet wird, ist nur schwer vorstellbar – denn das widerspricht nicht nur dem Interesse der Medien sondern auch dem Interesse der Öffentlichkeit. Der Schweizer Bruno Frey schrieb zugegespitzt in seinem Buch „Dealing with Terrorism: Stick or Carrot?“, dass Terroristen und Journalisten „[…] ein rationales Interesse an einem spektakulären terroristischen Anschlag teilen.“ Denn beide Seiten seien an Nachrichten interessiert.

Ein Dilemma, das dringend aufgelöst werden muss. Wo sind die Grenzen einer Nachricht und ab wann wird die Berichterstattung zur medialen Bühne für Terroristen?

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