• 23. Februar 2013 14:02
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 23.02.2013

Der Eiertanz ums LSR

Die Medien und Meinungen vom 23.02.2013


Verwirrung um das Leistungsschutzrecht:

Angefangen hat alles mit der etwas vernuschelten Antwort von Wirtschaftsminister Philipp Rösler auf einer Podiumsdiskussion. Da sagte er, einige Verleger würden just zu diesem Zeitpunkt bei Google im Silicon Valley sitzen. Und womöglich einen außergesetzlichen Deal aushandeln, wie er in Frankreich inzwischen praktiziert wird. Dort hat der Suchmaschinenkonzern einmalig 60 Millionen Euro in einen Fond einbezahlt und darf im Gegenzug weiterhin kurze Textausschnitte aus der Presse in den Suchergebnissen verlinken.

Der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger reagierte prompt: Auf keinen Fall würden die Verlage mit Google über eine Alternative zum Leistungsschutzrecht (LSR) verhandeln. Schließlich sehen sie ihre urheberrechtlich geschützten Inhalte ja auch nicht nur von Google, sondern von allen Aggregatoren widerrechtlich genutzt.

Tatsächlich waren zwar ein paar deutsche Chefredakteure an besagtem Mittwoch in der Google-Zentrale, aber nicht wie Philipp Rösler vermutete für Verhandlungen, sondern quasi als Betriebsausflug.

Trotzdem ist die eigentlich für kommenden Donnerstag angedachte Abstimmung zum Leistungsschutzrecht im Bundestag kurzfristig abgesagt worden.

Allerdings nicht, weil sich Verlage und Google geeinigt hätten, sondern – so munkeln böse Zungen – weil zu viele Abgeordnete der Koalition das Gesetz eigentlich nicht wollen. Allen voran der CDU-Abgeordnete Siegfried Kauder. Als Vorsitzender des Rechtsausschusses hat er erheblich rechtliche Bedenken gegen das Leistungsschutzrecht angemeldet. Unter anderem, das auch für Suchmaschinen die Pressefreiheit gelte und eine Lizenzpflicht für die genutzten Snippets also ein bedenklicher Eingriff in ihre Grundrechte wäre.

Langsam wird es eng für die Verleger: Wenn in den nächsten Wochen keine Fakten geschaffen werden, dann wird es vermutlich in dieser Legislaturperiode auch kein Gesetz mehr geben.

 

Amerikanischen Billboard-Charts lassen YouTube-Klicks in Bewertung einfließen:

Der Harlem Shake, dieses Stück, dass DJ Harry Rodriguez eigentlich schon im letzten Jahr zum gratis Download ins Netz gestellt hatte, aber das erst in den vergangenen Wochen als YouTube-Hype so richtig Fahrt aufgenommen hat, ist der Nummer 1 Hit in den USA. Erstmals haben die Macher der berühmten Billboard-Charts nämlich YouTube-Klickzahlen und nicht ausschließlich Verkaufszahlen in ihre Wertung einfließen lassen. Und da alleine in den USA nach Berechnungen der New York Times, so Spiegel Online, über 100 Millionen Menschen die Videos mit absurd zappelnden Menschen in noch absurderen Kostümen sehen wollten, die zum Harlem Shake abrocken, hat Rodriguez alias Baauer die Konkurrenz weit abgehängt.

 

Die Medien und Meinungen dieser Woche hat Julia Eikmann zusammen gestellt.

 

Foto: www.wordle.net