• 25. November 2008 20:11
  • Off-Air, Sendung vom 29.11.2008

Der digitale Patient


Dem Gesundheitswesen geht’s schlecht. Ineffizient, lahm, bürokratisch. Die Krankenhäuser sind mehr oder weniger abgebrannt, die Kassen und Verwaltungen fressen den Löwenanteil der Kosten. Und das alles intransparent, für den Patienten wenig nachvollziehbar.
Die wunderbare Welt der Softwareentwickler schafft Abhilfe. Nach „Google Health“, das das Google-Imperium bereits seit Mai erfolgreich in den USA betreibt, will der ewige Zweite im Netz, Microsoft, jetzt auch eine deutschsprachige Version seines „Health Value“ Programms, das seit Oktober läuft, auf den Markt bringen.
Microsoft und Google bieten damit vergleichbare und kostenfreie Programme zur Handhabung individueller, digitaler Krankenakten. Die Vorteile für den User liegen auf der Hand. Übersichtlichkeit, zentrale Bündelung persönlicher Daten zu Krankheitsverläufen und persönlichen Dispositionen, schnelle Verknüpfung zu weiterführenden Informationen wie beispielsweise den Nebenwirkungen von Medikamenten. Die Nachteile sollen, folgt man den Kritikern, im unkalkulierbaren Risiko  bestehen, nicht zu wissen, wer letztendlich auf die Daten zugreifen kann. Arbeitgeber, Freunde, Versicherungen, Ehepartner, Parteien, Werber etc. Alles nur Hysterie? Das bleibt abzuwarten. Die Programme könnten enorm nützlich sein. Aber ihr vertretbarer Erfolg hängt von einem noch zu entwicklenden Datenschutz-Bewußtsein der Netzbürger ab.  Aber vielleicht ist die transparente Patientenakte in 10 Jahren auch eine Selbstverständlichkeit, wie das damit praktizierte Kastensystem.

Markus Heidmeier / Breitband

Foto: deNNis gErbECkx auf Flickr unter cc-Lizenz