• 20. Juli 2010 20:07
  • Netzpolitik, Off-Air, Sendung vom 24.07.2010

Der Daten-Robin-Hood

Ein Hacker sorgt in Lettland für Debatte um Transparenz


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Er ist so etwas wie der lettische Robin Hood der Daten. Hacker „Neo“, mit bürgerlichem Namen Ilmars Poikans, sorgt in Lettland für Aufsehen. Der 31-Jährige stieß auf brisante Informationen zu Lettlands staatseigenen Firmen und veröffentlichte sie im Februar via Twitter. Matthias Kolb hat für den Deutschlandfunk mit „Neo“ gesprochen. Viel zu hacken gab es bei der Sache nicht. „Neo“ stolperte nach eigenen Angaben zufällig über das Material:

„Ich war mit der Steuererklärung für meine Firma beschäftigt. Als ich mich im Internet im System angemeldet hatte, merkte ich, dass ich ein Dokument nicht finden konnte, das mein Steuerberater hatte aufrufen können. Also öffnete ich ein neues Fenster in meinem Browser und hatte plötzlich Zugang zu sämtlichen Daten der Steuerbehörde. Das war eigentlich gar kein Hacken, jeder hätte das machen können.“

Poikans speicherte die Daten, insgesamt 120 Gigabyte, und wandte sich an Journalisten. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bekam er aber erst, als er verhaftet und die Wohnung der Journalistin, die als erste über „Neo“ berichtet hatte, polizeilich durchsucht wurde.

Der Fall hat in Lettland inzwischen eine Diskussion über Transparenz im öffentlichen Dienst ausgelöst, so die Journalistin Ilze Nagla. Laut den Daten, die „Neo“ an die Öffentlichkeit gebracht hat, verdienten zahlreiche Manager trotz der Wirtschaftskrise weiterhin sehr gut, während ihren Angestellten die ohnehin bescheidenen Löhne gekürzt wurden.