• 9. Juni 2012 11:06
  • Breitband², Medienwandel, Off-Air, Sendung vom 09.06.2012

Depublidingsda stoppen, Recht auf Remix und weniger Formatfunk

Ihre Erwartungen an die Netzaktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen


Es scheint einen regelrechten Reformstau zu geben bei uns öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern im Netz. So viele engagierte Antworten wie auf unsere Hörer-Frage, was man sich von den gebührenfinanzierten Rundfunkangeboten im Netz alles erwartet, gab es jedenfalls selten. Wir bedanken uns bei allen Kommentatoren fürs Mitmachen und werden in der Sendung daraus zitieren.

Hier nur die Zusammenfassung – die volle Ladung gibt es hier, hier, hier und hier.

Viele User fordern das Abschaffen des Depublizierzwangs, so zum Beispiel Twitter User Frank ‏@mailonator Elsner
„Ich erwarte mir von den Öffies erstmal ein Ende des Depublizierens. Formatänderungen wünsche ich mir dann später :-)“

Johannes ‏@frequenzfisch Fischer fordert vor allem „offene Rundfunkarchive, weniger Formatradio und viel mehr Live-Beiträge„. ‏@MarcusEngert eine
Aufteilung der Sparten. EINER soll Info machen, EINER Kultur, EINER Pop etc“ und die „Verantwortlichen müssen aktiver für eine Anpassung des Rundfunkstaatsvertrages kämpfen„. Und @ricovaltin hat gleich ein halbes Dutzend Erwartungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk: „1. alles Streamen 2. alles zum Download 3. kein Depublidingsda 4. Ich will mir Musik vs Wort selber zusammen stellen & mixen 5. Ich will Teil der Gebühren auch außerhalb des ÖR ausgeben können (ne Art GEZ-Kulturmarkt-flattr)

Noch umfangreicher ist nur der Kommentar vom Netzaktivisten Jens Best auf unserer Facebook-Page: „Es braucht einen neuen Rundfunk-Staatsvertrag. Einige grundlegenden Eckpunkte der Begründung für ÖR sind obsolet, dafür andere umzu deutlicher in den Vordergrund getreten. Es muss endlich um konvergente Formate gehen, die dem Benutzer unterschiedliche Tiefen, Darstellungsformen und Interaktionsmöglichkeiten gibt. Die 3-Stufen-Regel gehört abgeschafft, ebenso das ganze Geklüngel alter ÖR-Menschen wie Piel u.a. mit der privatwirtschaftlichen Verlagswelt. Konvergenz kann es nicht geben, wenn Verlagen versprochen wird die vollkommen obsolete Trennung von Text, Bild, Video etc. aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig muss die Aufsicht transparenter und partizipativer werden. Das alte Modell einer partei-durchseuchten Fernsehrat-Situation ist nicht mehr zeitgemäß. Die Unabhängigkeit des Journalismus im ÖR ist in den letzten Jahrzehnten massiv eingeschränkt worden mit Methoden, die kaum öffentlich diskutiert werden. Weg mit dem Quotendenken. Her mit 1% für Blogger u.a. Bürgerformate (mit gleichzeitiger journalistischer Minimal-Ausbildung für diese z.B. über VHS o.ä. Institutionen. Soviel mal fürs erste. :)

Auf Google+ schreibt Uwe Hauck: „.. ich habe für die Beiträge gezahlt, will sie also auch stets zur Verfügung haben. Parallel dazu erwarte ich mir mehr gehaltvolle Interaktion mit dem Publikum jenseits von Morgenshows und Gewinnspielen. Wir haben vor allem im rein audio geprägten Radio mittlerweile die Möglichkeiten, qualitätiv hochwertig Hörer zu integrieren und warum nicht die Face to Face Radiointerviews durch eine Art Audio Hangout ergänzen? Mehr Interaktion, auch im Radio.„

Und Volker Buschmann bringt die Meinung einiger anderer auf den Punkt: „Als überzeugter GEZ-Zahler erwarte ich eine unumschränkte Nutzung auch über das Internetz. Sendungen in die Mediathek und Zugriff auf alle Nachrichteninhalte. Kein Einknicken gegenüber den privaten Sendern.“

Lesenswert viele Meinungen gab es auch auf der Facebook-Page von Deutschlandradio Kultur – hier nur ein Ausschnitt:

Dwight D. Durwood fordert eine Reduktion aufs Wesentliche:
Braucht jede Region (v.a. Saarland, Bremen) ein Pop-, ein Jugend- und ein Schlagerradio? Brauchen wir so viele digitale TV-Spartenkanäle? Ich würde sagen, da ließe sich einiges reduzieren. (..)

Andreas Jell Fotojell stört sich an der Verweildauerregelung. „Es ist wirklich ärgerlich und wohl der Zeitungs-Lobby zuzuschreiben, dass die z. T. sehr guten und kritischen Beiträge teuer produziert werden – und dann nach 6 Monaten gelöscht.

Matthias Hotzel ist die Frage, ob wir auch im Netz unterwegs sein sollten klar: „Im Zeitalter einer zunehmenden Medienkonvergenz ist es geradezu die Pflicht der öffentlich-rechtlichen Sender, auch im Netz präsent zu sein!

Anderer Meinung ist Frank Martin: „Das Internet stellt bereits alles zur Verfuegung, was man brauchen kann. Moderner Rundfunk ist ebenfalls so preiswert verfuegbar, dass es oeffentlich-rechtliche.Medien nicht braucht. Von den eingesparten Gebuehren konnten sich die Konsumenten mehr und bessere Angebote leisten.

Shanon Mark fordert weniger Grundversorgung und GEZ-Gebühren: „Die Grundversorgung sollte auf ein minimum beschränkt, die GEZ-Gebühren gesenkt werden.“ denn Zu Beginn des Rundfunks machte diese Gebühr Sinn. Es gibt mehr ö-r als private Programme in Deutschland. Das ist ein Mißverhältnis.

Und Björn Opitz zeigt Verständnis mit Preeverlegern und fragt „Wieso gibt es eigentlich keine GEZ für den Zeitungsmarkt?“ um dann nachzulegen: „Für die Deutschlandradio-Programme, 3sat und vielleicht die Sportschau ;) sogar „gern“ bezahlen. Wenn ich denn die Wahl hätte.

Ein für uns sehr erfreuliches Lob kommt schließlich vom Twitter-User ‏@i42n
„Wobei @breitband und @DRadioWissen #OnlineTalk was die Zukunft der ÖR angeht, schon sehr weit sind. #NextGenerationRadio“

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