• 2. September 2010 13:09
  • Sendung vom 04.09.2010, Sendungsüberblick

Datenjournalismus, Netz-Avantgardisten, Kognitive Überschüsse

Die Breitband-Themen am 4. September 2010


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Dass der Computer bei der Recherche und Analyse von Zahlen und Statistiken hilfreich sein kann, ist keine Neuigkeit. Das so genannte Computer Assisted Reporting gehört bei Redaktionen bereits seit den 60er Jahren zum Arbeitsrepertoire von Journalisten. Einen regelrechten Boom erlebt der Datenjournalismus jedoch erst in jüngster Zeit. Durch die Open Data Bewegung und der Entscheidung von Staaten oder Institutionen, öffentliche Daten freizugeben und in maschinenlesbarer Form ins Netz zu stellen, wird erst heute ein umfassender Zugriff und somit eine Verknüpfung und Analyse der rohen statistischen Informationen möglich. Was sich genau hinter dem Begriff des Data Driven Journalism verbirgt, welche Anwendungen und Ergebnisse er bis jetzt hervorgebracht hat und welchen Einfluss er auf die Arbeit von Journalisten und vor allem Nachrichtenagenturen haben kann, darüber sprechen wir mit Christoph Dernbach, Chefredakteur der dpa-infocom GmbH.

Das Ars Electronica Festival in Linz verbindet bereits seit 1979 Technologie, Kunst und Gesellschaft und will dabei stets „neues, unbekanntes Terrain experimenteller technischer oder gesellschaftlicher Neuerungen“ erobern. Wir stellen die Frage: Gibt es sie noch, die Avantgarde? Und wenn ja, welchen Einfluss hat sie? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, begleiten wir die Ars Electronica Sub-Veranstaltung TELE-INTERNET, die sich selbst als „organisch wachsende Struktur“ beschreibt und neue Entwicklungen im Netz diskutieren will. Kuratiert wird die Mischung aus „Hacker Space, Ausstellung und Social Performance“ von dem Medienkünstler Aram Bartholl. Seinem Aufruf folgten zum Beispiel Maxwell Salzberg vom Open-Source-Facebookkonkurrenten Diaspora, Andreas Lehner vom Anonymisierungsdienst TOR und Peter Sunde von der Micropaymentplattform Flattr.

Auch Clay Shirky beschäftigt sich mit Technologie und Gesellschaft und den Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Sphären. Sein Buch „Here Comes Everybody: The Power of Organizing Without Organizations“ aus dem Jahr 2008 thematisierte den Einfluss des Netzes auf gruppendynamische Prozesse und wurde zum Bestseller. Sein mittlerweile siebtes und aktuelles Buch heißt „Cognitive Surplus: Creativity and Generosity in a Connected Age“. Die These darin: Während der Konsum der traditionellen Medien unsere durch gesellschaftliche Produktivitätssteigerung anwachsende Freizeit (Cognitive Surplus) jahrzehntelang verschwendete, werden wir durch das Netz Schritt für Schritt zum medialen und gesellschaftlichen Akteur und verbessern durch unser handeln die Gesellschaft. Bestätigt sieht Shirky seine These durch ehrenamtliche Projekte wie Wikipedia oder Ushahidi. Philipp Albers hat für uns das Buch gelesen und sich mit Shirky und seinen Thesen genauer beschäftigt.

Außerdem sprechen wir über das Projekt „RADIOORTUNG – Hörspiele für Selbstläufer„, eine neue ortsbezogene Handy-Hörspielreihe für öffentliche Räume von Deutschlandradio Kultur. Mit einem GPS-und Internet-fähigen Handy kann der Hörer so zur Erforschung der Schnittstelle zwischen Technologie und Mensch beitragen.

In der Breitband-Netzmusik schaut Martin Risel schon mal auf die nächste Woche und präsentiert Musik, die im Rahmen der Berlin Music Week eine Rolle spielen wird.

Redaktion: Markus Heidmeier
Moderation: Vera Linß
Musik: Martin Risel
Web: Christian Grasse