• 9. April 2011 12:04
  • Formate, Netzpolitik, Sendung vom 09.04.2011, Themen, Topic

Daten aus dem Offline

Wie digitale Gegenöffentlichkeit in Nordkorea funktioniert


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Jeder Haushalt in Nordkorea hat ein Radio. Ausstellen können die Hörer den Staatssender nicht – nur leiser drehen. Die Kontrolle der Regierung über die Medien gilt auch fürs digitale Netz. Über das Intranet hinaus kann fast niemand von Nordkorea aus im WWW surfen. Umgekehrt bekommt auch die Außenwelt nur wenig mit. Das Foto von einer farbenfrohen Massenveranstaltung gehört zu den wenigen Bildern, die durch die Kontrollen und ins Netz gelassen werden.

Trotz der widrigen Umstände gibt es in Nordkorea ein System digitalen medialen Widerstands. Auch ohne Netzzugang werden Informationen außer Landes gebracht und in Gegenöffentlichkeit verwandelt. Über Netzwerke tauschen Citizen-Reporter und Datenschmuggler offline digitale Nachrichten und Daten. Zur Veröffentlichung bekommen sie Unterstützung aus benachbarten Staaten wie Japan und Südkorea.

Robert S. Boynton, Autor und Leiter des Programms für magazine journalism an der New York University, sieht großes Potential in dieser Entwicklung, die er in „North Korea’s Digital Underground“ beschreibt: „The impact of these new groups on journalism has been transformative“.

Alte und neue Methoden der Informationsweitergabe gehen, so berichtet Boynton, dabei Hand in Hand. Statt über soziale Netzwerke werden Videos, Fotos und Informationen über diverse Speichermedien weitergegeben und dann anderswo, zum Beispiel bei Daily NK aus Südkorea oder Open Radio North Korea, verbreitet.

Wir haben mit Robert S. Boynton über Nordkoreas digitalen Untergrund gesprochen. Unser voraufgezeichnetes Gespräch kann man hier im 26-minütigen Rohschnitt hören.

Links
North Korea Tech: North Korean Website List
Seite des Guardian zu Nordkorea
taz-Artikel: „Als Unternehmer in Nordkorea – IT-Firma ohne Internet

Foto: „Mass Games (Arirang), Pyongyang„, von coljac auf Flickr, CC-by-SA