• 19. Februar 2008 10:02
  • Off-Air, Sendung vom 23.02.2008

Community 3.0? Welche Perspektiven hat user generated content noch?


Die erste Euphorie ist vorbei. Es bedarf großer Anreize, User zur aktiven Teilnahme an den immer noch inflationär neu entstehenden Web 2.0 Portalen zu bewegen. Der aktive Nutzer wird immer mehr (oder wieder) zum Konsumenten, der gezielt zwischen den Angeboten auswählt. Dennoch sind die Web 2.0 geprägten 14-34 Jährigen eine lukrative Zielgruppe für Medienunternehmen.

 Ein aktuelles Beispiel liefert Zoomer – das neue Nachrichtenportal der Holtzbrink-Gruppe, das in gewisser Weise Agenda Setting durch die User betreibt und mit Ulrich Wickert einen prominenten Herausgeber ins Boot geholt hat.
Die Nachrichtenseite ist für die StudiVZ- und SchülerVZ-Zielgruppe konzipiert und bietet Aufwertungs- und Abwertungsmöglichkeiten für Beiträge und Kommentare an, welche die Platzierung beeinflussen. Ob sich hier wirklich „eine völlig neue Infologik“ mit dem Web 2.0 verbindet, wie Geschäftsführer Peter Neumann im Vorfeld  ankündigte, bleibt abzuwarten. Die ersten Reaktionen waren durchwachsen: „Kumpeliges Rumgeklicke“ meint taz.de. Die Revolution anzuzetteln, sei doch ein großes Risiko, so Thomas Lückerath von dwdl. Für Hugo Martin fehlen gerade die Web 2.0 Applikationen.
Felix Schwenzel von wirres.net urteilt: „beiträge werden auch bei zweitausend digg-klonen hoch und runtergewertet, kommentare kann man auch bei heise.de bewerten, eigene beiträge oder fotos kann man an geschätzte zweihundert redaktionen schicken und bei manchen sogar hoffen, dass man 500 euro dafür bekommt, wenn genug arsch und titten, promis oder blut darauf zu sehen sind. videokolumnen von arrivierten journalisten kann man mittlerweile auch überall sehen und hintergründe und infografiken kann man sich meist zusammengoogeln oder bei wikipedia finden.“

Eine Studie, die auch für Holtzbrink interessant sein dürfte, hat die die Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und die Freundliche Netzwerke GmbH Ende 2007 durchgeführt. Sie analysiert erstmals, wie falsch Online-Netzwerke ihre Kunden bisweilen einschätzen – und was diese wirklich wollen. 46 Community-Betreiber und 172 Community-Nutzer wurden ausführlich befragt, 14 große Netzwerke wie z.B. MySpace inhaltlich analysiert.

Das Ergebnis: Was Portalbetreiber für wichtig halten, ist den Nutzern oft schnurz – und umgekehrt.