CC-Keese, Kino.to-Nachfolger und die Ente von der Superdatenbank

Die Medien und Meinungen vom 16.07.2011


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In den Medien und Meinungen berichtete Vera Linß zuerst von einer Medienrechtsposse mit Christoph Keese, dem Konzerngeschäftsführer „Public Affairs“ bei der Axel Springer AG:

Ausgerechnet der Mann, der als Chefobbyist für ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger auftritt, hat in dieser Woche die von ihm verfochtenen Prinzipien außer Kraft gesetzt – und zwar für sich selbst. Das sorgte natürlich für Aufregung in der Netzgemeinde. Angefangen hat das Ganze mit einem Artikel des Bloggers Markus Hündgen, alias @videopunk. Der hatte sich mit der Tatsache auseinandergesetzt, dass Livestreaming-Angebote, wie sie Youtube für Deutschland plant, nach hiesigem Recht durch die Medienregulierung eventuell genehmigt werden muss. Denn alles, was für mehr als 500 Nutzer zum gleichzeitigen Empfang gedacht ist, könnte unter Rundfunk fallen und darum genehmigungspflichtig sein. Gleiches könnte auch zutreffen auf bild.de, schlussfolgerte Videopunk, da dort ganze Fußballspiele übertragen werden und titelte: Springer ohne Lizenz?

Woraufhin Christoph Keese den Artikel 1:1 in sein Blog übernahm zuzüglich eines Fotos von Markus Hündgen, das er im Netz gefunden hatte, ohne den Urheber zu nennen. Das macht man nicht, schon gar nicht nach den Prinzipien eines Christoph Keese, fand auch Marius Sixtus, der das Foto geschossen und unter CC-Lizenz freigegeben hatte und einem sehr amüsanten und süffisanten Statement eine Mahngebühr von 1000 € plus Mehrwertsteuer einforderte, darunter ein Frechheitszuschlag von 500 €.

Schlussendlich einigte sich Keese mit Sixtus auf eine 1000 Euro-Spende an Creative Commons. Kleiner Tip für alle, die auch mal abgemahnt werden von Springer: Keese hatte zunächst 50 € geboten, die Argumentation dazu nachzulesen in seinem Blog – vielleicht kann man´s ja selbst mal gebrauchen, wenn man Probleme mit der Rechtsabteilung bekommt

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2) kino.to ist zurück. Anfang Juni wurde das Filmstreamingportal kino.to mit einer Polizeiaktion vom Netz genommen – jetzt gibt es einen Nachfolger. Unbekannte betreiben ein ähnliches Angebot seit Montag unter der Domain Kinox.to – die Homepage ist zurzeit schwer erreichbar, mir ist es gerade nicht gelungen und wie es heißt, wenden sich die Betreiber dort mit einer Botschaft an die Filmbranche und die Behörden:

„Denkt ihr wirklich, ihr könnt uns stoppen, nur weil ihr haufenweise Geld habt?“ die Gesellschaft zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen, GVU, ist nicht überrascht über die Wiedergeburt von Kino.to – war aber überrascht, dass es so lange gedauert habe. Das zeige, wie empfindlich die Aktion der Generalstaatsanwaltschaft Dresden die Szene getroffen habe.

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3) „Google plant die Super-Datenbank“ – das schrieb sueddeutsche.de in dieser Woche. Das Projekt firmiere unter dem Kürzel „DDP“, konkret gehe es dabei um eine Dienstleistung für die Werbeindustrie. Künftig sollen Werber bei Google den Zugang zu bestimmten Verbrauchergruppen kaufen können – fein säuberlich nach Interessen sortiert.

Prompt gab es Widerspruch im Netz von Thomas Knüwer auf seinem Blog indiskretionehrensache.de. Er spricht von einem Tendenzjournalismus, der zur Propaganda ausarte: tatsächlich gehe es bei Google nur um eine komplexe Datenaggregation um das anonymisierte Targeting zu verbessern. Diese Idee des Targeting dürfe man durchaus verwerflich finden – sollte aber erwähnen, dass auch Sueddeutsche.de entsprechende Möglichkeiten bietet. Komplett verschwiegen werde auch, dass der konkrete Verkauf von Personendaten – leider – ein in Deutschland legales Geschäft ist