• 10. März 2009 16:03
  • Off-Air, Sendung vom 14.03.2009

Cash Cow reloaded: Oder die merkwürdige Renaissance des Paid Content im Netz


Wie kriege ich andere dazu, mich für das zu bezahlen, was ich mache? Lässt sich mit kreativen Inhalten im Netz überhaupt Geld verdienen? Diese Fragen werden im Moment besonders heftig in den Verlagshäusern diskutiert. Händeringend suchen Marketingstrategen angesichts einbrechender Anzeigenerlöse im klassischen Printgeschäft nach neuen Geschäftsmodellen. Viele Experten wollen jetzt scheinbar wieder auf Paid Content setzten. Das verwundert und wirkt schon ein bisschen hilflos, hatte sich dieser Ansatz doch für das Netz, wo beinahe alles kostenlos erhältlich ist, schon einmal als unbrauchbar erwiesen. Mit den alten Offline-Strategien ließ sich bisher online jedenfalls kein Geld verdienen.
Aber anscheinend gibt es neue Ideen. Jochen Wegner, Focus online Chefredakteur sagte am vergangenen Wochenende im breitband-Gespräch, dass er zwar nicht den Zugang zu redaktionellen Inhalten beschränken wolle. Sehr wohl könne er sich aber vorstellen, dass man bestimmte zusätzliche Leistungen künftig nur noch über eine kostenpflichtige Usermitgliedschaft erhalten werde.  
Die Verlagsgruppe Madsack aus Hannover arbeitet ebenfalls an neuen Lösungen. Die ersten Produkte und Services, für die bezahlt werden muss, sollen offenbar schon im nächsten Quartal ausprobiert werden. Das sagte Madsack-Geschäftsführer Andreas Arntzen meedia.de. Dabei will Arntzen aber nicht die alten Fehler der Dotcom-Ära wiederholen und einfach versuchen das Print-Geschäft ins Web zu verlagern. „Wir wollen versuchen auf Basis der Bedürfnisse unserer User neue Angebote  zu kreieren.“ Mit MyHeimat investierten die Niedersachsen bereits in ein Bürgerjournalismus-Projekt und in Gießen verlegt Madsack eine User-generierte Zeitung. Das es gerade in der vergangenen Woche die Paid-Content-Diskussion immer heftiger geführt wird, überrascht Arntzen wenig: „Die Verlage bezahlen viel Geld für die Erstellung redaktionell hochwertiger Inhalte und meistens verdienen andere Marktteilnehmer damit Geld. Außerdem gewöhnt sich unsere Gesellschaft mehr und mehr an ein Micropayment – von daher halte ich die Diskussion für nachvollziehbar und berechtigt.“ Welches Paid-Modell – ob Freemium, eine News-Flatrate oder sogar eine Art Gema für journalistische Inhalte  – sich durchsetzten wird, weiß Arntzen aber auch nicht.
Eine Schlüsselfrage lautet: Welche Konsequenzen hat die netzspezifische „Kostenlos-Mentalität“? Ist sie veränderbar? Verhindert sie das Geldverdienen im Internet? Kein Problem, scheinen die jüngsten Zahlen zur Online-Werbung auszudrücken. Die entwickeln sich hoffnungsvoll. Reklame im Internet wird 2009 erstmals soviel Umsatz erwirtschaften wie die krisengeschüttelten Publikumszeitschriften, prognostiziert der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Das Online-Werbevolumen wird demnach 2009 um 10 Prozent auf 4 Mrd. Euro brutto wachsen – eine, wie es beim Verband heißt, „sehr konservative und vorsichtige Prognose“. Die „Financial Times“ und ihre Ableger aus dem britischen Medienkonzern Pearson steigerten ihren Umsatz 2008 um sieben Prozent auf 796 Mio. Pfund. 67 Prozent der „Financial Times“-Umsätze kommen mittlerweile aus dem Digitalgeschäft. Der Erfolg geht zu großen Teilen auf Premium-Accounts für die Website FT.com zurück.
Foto: Snipergirl/CC