• 15. Juli 2016 17:07
  • Breitband², Sendung vom 16.07.2016

„Was wir bisher wissen – und was nicht…“

Rituale der Medien: Terrorismus und Journalismus


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Nach dem Anschlag in Nizza am Abend des 14. Juli wird beim Blick in sämtliche Medien deutlich: Die Berichterstattung über Anschläge hat bereits eine traurige Regelmäßigkeit angenommen. Wieder ein Attentat in Frankreich. Wieder kursieren auch grausame Videos und Bilder im Netz. Wieder wägt man in den Redaktionen ab: vermeintlich aktueller Liveticker oder eine bewusste Entscheidung dagegen? Es scheint, als pflegten die Medien die gleichen Rituale und Reflexe, gleichzeitig werden sie mit den ebenfalls immergleichen Erwartungen und Vorwürfen konfrontiert.

Auch in der Türkei wurde der Putschversuch in der vergangenen Nacht mit vielen privaten Handys gefilmt: “The revolution will not be televised. it will be streamed live.” Gerade im Livestream ist jedoch jegliche Kontrollinstanz, jedes Innehalten ausgehebelt.

Eine Grundsatzfrage erscheint mit jedem neuen Anschlag drängender: Machen sich Journalisten zu Handlangern der Täter, indem sie groß über die Anschläge berichten? Oder müssen sie – wenn auch reflektiert –  an dieser medialen Schlacht um die Deutungshoheit teilnehmen? Was lösen Bilder und Berichterstattung bei den Nutzern aus? Findet bereits eine mediale Gewöhnung, eine Abstumpfung statt?

Wir sprechen in dieser Ausgabe von Breitband2 über die unterschiedlichen Herangehensweisen von Journalismus und sozialen Netzwerken, über die Kritik, die beiden Berichterstattungsformen entgegengebracht wird und über die Anforderungen an eine moderne Medienethik.

Philip Banse diskutiert mit:

Hélène Kohl: Die französische Rundfunkjournalistin lebt und arbeitet in Deutschland und beobachtet die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der deutschen und französischen Medienlandschaft.

Prof. Marion Müller: Die Dozentin an der Jacobs University in Bremen erforscht Wirkungen politischer und visueller Massenkommunikation.

Arno Frank: Der Kulturjournalist und Buchautor kritisiert die schnelle Solidarität und öffentliche Trauer, die in sozialen Netzwerken zum Alltag geworden ist.

Foto von Nicolas Alejandro, CC BY 2.0

Redaktion: Jana Wuttke und Meike Laaff
Web: Miriam Sandabad