• 15. Februar 2013 15:02
  • Sendung vom 16.02.2013, Sendungsüberblick

Vom Plagiat zum Pirat

Die Breitband-Themen am 16. Februar 2013


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Alles ist ein Remix. Keine Doktorarbeit, die nicht auf den Schultern von Riesen steht. Kein Gesetzestext, in den nicht zahlreiche Entwürfe und Vorschläge einfließen. Doch in Zeiten von Copy&Paste ist die schmale Grenze zum Plagiat schnell überschritten. Heraus kommt ein Text, der seinen Ansprüchen nicht mehr genügt: Denen der Wissenschaft auf geistige Eigenleistung oder denen der Politik auf demokratische Entscheidung.

Seit das Netz immer mehr Quellen festhält, lassen sich Plagiate leichter und leichter enttarnen. Enthüllungsportale werten Texte aus und vergleichen sie mit möglichen Originalen, von Doktorarbeiten wie bei VroniPlag oder GuttenPlag über das englische Portal churnalism, das PR-Texte und britische Medienberichte vergleicht, bis zum neuesten Plag-Portal, das gerade erst ein paar Tage alt ist: LobbyPlag, das den Vergleich von EU-Gesetzestexten mit Texten von Lobbyvertretern möglich macht. Die Plattform soll zeigen, wie riesige Konzerne die Gesetzgebung zu ihren Gunsten beeinflussen – bis in einzelne Formulierungen hinein.

Wir schauen uns in dieser Sendung die neue Plag-Kultur genauer an. Was ist die Geschichte der Plagiatsjäger? Wo ist die Jagd auf gleichlautende Textbausteine sinnvoll? Nützt sie der Gesellschaft, oder ist sie eine moderne Version des Anschwärzens? Wer kuratiert eigentlich die Infos solcher Plattformen und in welchem Kontext lassen sie sich wirklich bewerten?

Wir sprechen mit Wolfgang Donsbach, der sich mit Plagiaten im Bereich der Wissenschaft beschäftigt und den digitalen Plag-Enthüllern kritisch gegenübersteht. Falk Steiner ordnet für uns die neue Plattform LobbyPlag ein: Könnte das wirklich eine Art “Beipackzettel” für Gesetze werden? Oder werden sich durch solche Plattformen die prophezeiten EU-„Lobbykriege“ nur einfach wieder in nicht-digitale Sphären verlagern?

Für die Sendung haben wir auch mit Andrew Keen gesprochen, bekannt als lautstarker Kritiker des Social Web. In seinem Buch „The Cult of the Amateur“, zu Deutsch „Die Stunde der Stümper“, äußerte er sich vor einigen Jahren besorgt darüber, dass Amateurinhalte, die im Internet massenhaft produziert werden, unsere Kultur trivialisieren. Heute sind solche nutzergenerierten Inhalte nicht mehr wegzudenken. Wir fragen Keen, ob er sie mittlerweile sympatischer findet.

Und wir schauen auf die Berlinale: Dort lief gerade der Film “The Pirate Bay – Away from the Keyboard” an, der die Geschichte von Bittorrent aufrollt. Jochen Dreier stellt den Film vor.

An den Mikros sind Vera Linß und Marcus Richter.

Bild: Screenshot von LobbyPlag am 15.02.2013