• 29. Juni 2013 08:06
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 29.06.2013

Blasen zum Gegenangriff

Die Medien und Meinungen vom 29.06.2013


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Electronic Frontier Foundation verklagt FBI:

Prism und seine Brüder fischen Daten aus Mails und Telefongesprächen ab. Aber nicht nur was Inhalte angeht, wollen die USA ihre Bürger offenbar genauer kennen. Auch Äußerlichkeiten sind von Interesse. Bisher standen wegen ihrer Gesichtserkennungssoftware hauptsächlich Firmen wie Facebook in der Kritik. Die Electronic Frontier Foundation, eine amerikanische Organisation die sich für Bürgerrechte im Netz stark macht, zeigt jetzt mit dem Finger auf die US-Behörden. Die EFF hat diese Woche das FBI verklagt – es soll die Pläne für ein Gesichtserkennungsprogramm transparent machen, das 2014 an den Start gehen soll.

Laut der EFF sammelt die Behörde in der biometrischen Datenbank Scans der Iris, der Handfläche, Fotos und Stimmdaten und wolle diese Informationen mit Behörden auf lokaler, bundes- und internationaler Ebene teilen. Bevor die Regierung entscheide, die Überwachung auszubauen, müsse eine öffentliche Debatte darüber geführt werden, fordert Jennifer Lynch, die Anwältin der EFF, auf der Website der Organisation. Es könne aber keine Debatte geben, wenn Details über das Programm vor der Öffentlichkeit verschlossen blieben.

 

Neue Schrifttype verwirrt Texterkennungs-Software:

Kaum ist klar, wie die NSA und andere die Bürger ausspähen, da werden die Ausgespähten erfinderisch: Der Designer Sang Mun hat eine Schriftart entwickelt, die automatische Texterkennungs-Softwares nicht entziffern können. Für das menschliche Auge sind die Buchstaben aber mit ein bisschen mehr Aufmerksamkeit lesbar. Die Buchstaben sind teilweise mit einfachen Pünktchen, Strichen oder anderen Buchstaben verfremdet. In einem Video lässt Sang Mun, mit Computerstimme, die Schrift “XED“ durch ein Texterkennungsprogramm laufen, „By putting an X, it activates the four empty corners of each character, which disrupts the system of how OCR-softwares recognize a letter form.”

„Indem man ein Kreuz über den Buchstaben legt, entstehen vier Ecken für jeden Buchstaben, das stört das System, mit dem die Texterkennung die Form eines Buchstabens erkennt.“

Wie praktikabel solche Schriften im Alltag sind, ist fraglich – was sie aber in jedem Fall sind, ist ein kreatives politisches Statement.

ZXX Type Specimen Video from Sang Mun on Vimeo.

 

Guardian-Inhalte für Armee-Stützpunkt gesperrt:

Beim US-Militär darf man sich offenbar über die neuesten Enthüllungen im Zusammenhang mit „Prism“ nicht informieren. Die US-Zeitung Monterey Herald berichtete Mitte der Woche mit Bezug auf Militärkreise, Angehörige der US-Armee im Stützpunkt Presidio in Kalifornien könnten nicht mehr auf bestimmte Inhalte des Guardian zugreifen. Ein Sprecher des Army Network Enterprise Technology Command bestätigte der Zeitung, dass die Beschränkung für alle Armee-Computer gilt und spricht von „Routinemaßnahme“.

Man wolle verhindern, dass unautorisierte Personen Zugriff auf geheime Informationen bekämen. Zwar wurden die Enthüllungen Edward Snowdens schon im Guardian veröffentlicht, trotzdem können diese nach den Regeln der Armee weiter als geheim gelten. Für das US-Militär wird es wohl nicht nur Zeit über die Logik solcher Regelungen nachzudenken, sondern auch, wie es zur Informationsfreiheit seiner Angehörigen steht.

 

Die Medien und Meinungen hat Marina Schweizer zusammen gestellt.

Und auch Marcus Richter hat noch einen Lieblingslink der Woche beizutragen: Das Erscheinen des Computerspiels „Half Life 3“ gilt als ungefähr so unwahrscheinlich wie die Inbetriebnahme des neuen Berliner Flughafens oder die Eröffnung der Elbphilharmonie. Jetzt gibt es neue Gerüchte über das Spiel, die durch ein mutmaßliches „Alternate Reality Game“ angefeuert wurden.

Valve, die Firma hinter der Half-Life-Reihe hat eine lange Geschichte von kryptischen Hinweisen und AR-Games, welche die fehlende Presseabteilung der Firma ersetzen. Eine kleine Geschichte dieser seltsamen Form der Öffentlichkeitsarbeit gibt es im im Blog „Transmedia Storytelling Berlin“.

 

Foto: blogs.walkerart.org/Typeart by Sang Mun