• 2. Januar 2016 12:01
  • Netzkultur, Sendung vom 02.01.2016
  • » Kommentieren

Aussteigerprogramm für Geheimdienste


Popup | MP3-Download | Player einbinden

Zwischen den Jahren fand in Hamburg der 32. Chaos Communication Congress statt. Das Hamburger Congress Centrum CCH war dabei mit über 12.000 Besuchern randvoll gefüllt. Es gab Vorträge, Workshops und überall im Haus verteilt kleine Stände, sogenannte Assemblies, in denen sich Gruppen und Projekte präsentieren konnten.

Geheimdienste vor Ort?
Die Besucher setzten sich zum großen Teil aus Hackern, Netz-Aktivisten und sonstigen am Digitalen interessierte Menschen zusammen. Und wahrscheinlich ist so eine Veranstaltung in der immer wieder gegen Geheimdienste und staatliche Überwachung gewettert wird, auch interessant für Geheimdienstler und staatliche Überwacher?

„Natürlich sind die hier auch unterwegs“, bestätigt CCC-Sprecher Falk Garbsch, „Die versuchen hier mitzukriegen, was die Szene so macht, wie sich das Ganze entwickelt“. Damit ist sichergestellt, dass genau das richtige Publikum für das Projekt „Intelexit“ vorhanden ist. Ziel des Projekts: Mitarbeiter der Geheimdienste sollen aufhören andere Menschen zu überwachen und aussteigen.

Aussteigerprogramm oder PR?
Die dazu gehörige Webseite ist aufgemacht wie ein richtiges Aussteigerprogramm: Motivationshilfen, Leitfäden, Fragebögen, Interviews. Auf den ersten Blick wirkt es wirklich so, als hätten die Macher vom „Peng! Collective“ hier nur die Geheimdienstmitarbeiter im Blick.

Steigt darauf wirklich jemand ein? Beziehungsweise: Aus? Wohl kaum. Aber „Intelexit“ schafft es öffentlichkeitswirksam darauf aufmerksam zu machen, dass Massenüberwachung nur dann funktionieren kann, wenn sich Menschen bereit erklären, daran mitzuwirken. Und das der Ausstieg von Überwachungsmachern zu einer grundlegenden Änderung führen könnte.

Zurück zu einer menschlichen Ethik
Oder wie es Jean Peters von „Intelexit“ im Interview formuliert: Große gesellschaftliche Veränderungen passieren immer dann, wenn sich die Polizei auf die Seite der Protestierenden stellt. Man wolle die Leute wieder zu einer Ethik führen, die sagt „Ich stehe wirklich menschlich hinter dem, was ich tue.“

Intelexit-Vortrag auf dem 32. Chaos Communication Congress: „Calling secret service agents to quit their jobs

Bildnachweis: Intelexit vor dem BND in Lichterfelde  von Wagner Jaussi.

Kommentieren