• 26. Januar 2008 11:01
  • Sendung vom 02.02.2008, Topic

Ausländische Oligopole auf dem osteuropäischen Pressemarkt


Unterwandern die Medienkonzerne mit undurchschaubaren Vernetzungen schleichend die Demokratie in Südosteuropa? Oder ermöglichten sie erst den Aufbau einer Medienlandschaft?

Beispiel WAZ
Zur Strategie der deutschen WAZ gehört es, „in Länder zu gehen, in denen das Kartellrecht nicht so weit entwickelt ist. Wir versuchen Marktanteile einzukaufen bevor diese Bestimmungen verschärft werden“ so WAZ-Mitarbeiter Andreas Ferlings im Interview mit „Medien-Monitor“.
Hauptsächlich kauft die WAZ bestehende Zeitungen auf oder beteiligt sich über 50 Prozent. 1987 startete man in Österreich. Rumänien, Ungarn, Kroatien, Montenegro, Serbien, Bulgarien und Mazedonien folgten – in letzteren beiden Ländern mit über 70 Prozent Marktanteil.
Künftig werde die WAZ ihren bisherigen Grundsatz, sich nicht in die Redaktionen einzumischen, aber aufgeben, sagte Hombach im November. Zu viele negative Erfahrungen habe es gegeben, vor allem in der Einhaltung journalistischer Qualitätsstandards.
Ein aktuelles Beispiel liefern die WAZ-Zeitungen“24 Chassa“; und „Trud“; in Bulgarien: Sie beteiligten sich führend an der medialen Hasstirade gegenüber der Historikerin Martina Baleva, die die Zahl der Toten in der mythischen bulgarischen Gründungsschlacht von Bataka relativierte. Der WAZ brachte das extreme Auflagensteigerungen. Baleva hält sich auf der Flucht vor gewaltbereiten bulgarischen Nationalisten bis jetzt in Deutschland auf.

„Grundsätzlich wird das Mediensystem von kommerziell denkenden Unternehmen dominiert. Und hier sehe ich eine strukturelle Gefahr“, meint Silvia Huber, Leiterin des Internationalen Journalismus Zentrums der Donau-Universität Krems und Projektleiterin der Studie Medienmärkte in Mittel- und Osteuropa, die 2006 die genauen Medieneigentümer in den zehn neuen EU Staaten erforschte. (pdf des Artikels)
An erster Stelle der reichweitenstärksten Medienunternehmen Osteuropas steht der polnische Staat, gefolgt von der Bauer Verlagsgruppe, der Axel Springer AG und der Gruner+Jahr AG.
Gefährlich sei die „strukturelle Unwahrscheinlichkeit kritischer Medienberichte“: Medien, die hauptsächlich kommerziellen Interessen dienen, bringen natürlich auch nur bestimmte Inhalte und auch nur in bestimmter Form.
Man geht davon aus, dass es bei Beteiligungen auch zu Absprachen zwischen den großen Medienunternehmen kommt und peu à peu zu einer Vereinheitlichung der Interessen kommerzieller Medien.