Apple versus FBI, Glasfaser und Kanye West


Popup | MP3-Download | Player einbinden

Das Urteil eines US-Gerichts hat in dieser Woche für große Aufregung gesorgt. Eine Richterin hat Apple angewiesen, das iPhone eines Attentäters für das FBI zu entsperren. 

Es geht um das iPhone des Mannes, der zusammen mit seiner Frau letzten Dezember im kalifornischen San Bernadino 14 Menschen getötet hat. Das FBI erhofft sich durch die Auswertung der Daten auf dem Telefon neue Erkenntnisse zu den Hintergründen der Tat. Allerdings ist das iPhone durch eine Zahlenkombination geschützt.Allerdings ist das iPhone durch eine Zahlenkombination geschützt. Deshalb soll Apple die Ermittler unterstützen. Das sei ein berechtigtes Anliegen, findet nicht nur das Gericht, sondern auch das Weiße Haus, wie Präsidenten-Sprecher Josh Ernest erklärt hat.

„Das FBI fordert ja von Apple nicht das Design ein neues Produktes oder eine Hintertür zu einem Produkt. Sie wollen nur Informationen, die Auswirkungen auf dieses eine Gerät hätten.“

Weil Apple sich weigert, hat das US-Justizministerium gestern noch mal nachgelegt und sich an ein Bundesgericht gewandt. Konzernchef Tim Cook will aber auch durch alle Instanzen gehen.

Seine Erfolgsaussichten sind nicht schlecht, wie der Berliner Richter und Experte für digitale Privatsphäre Ulf Buermeyer in der Sendung Kompressor hier im Deutschlandradio Kultur erklärt hat

„Denn die Richterin hat ein Gesetz aus dem Jahr 1789 angewendet. Das einfach ganz allgemein offensichtlich Gerichte in die Lage versetzt, von jedermann so ziemlich alles zu verlangen, also so eine Art Blankoscheck -Gesetz. Das Gesetz enthält überhaupt keine Vorkehrungen zum Schutz der Privatsphäre oder zum Schutz der Verhältnismäßigkeit.“

Deshalb bezweifelt Buermeyer, dass die Entscheidung des Gerichts Bestand haben wird. Auch andere Unternehmen wie Google, Twitter und Facebook haben schon mitgeteilt, dass sie Apples Kampf für die Privatsphäre unterstützen wollen. Es dürfe kein Präzedenzfall geschaffen werden. Ob es dabei aber nicht in erste Linie um Marketingerwägungen geht, wird auch schon diskutiert. Netzaktivisten wie padeluun sagen allerdings, Apple handelt absolut richtig. In einem Interview mit tagesschau.de warnt er vor einem neuen Einfallstor zur Totalüberwachung der Bevölkerung.

Der Widerstand könnte aber durch ein neues Gesetz gebrochen werden. Laut Wall Street Journal wird daran in den USA angeblich schon gearbeitet. Der Entwurf sieht wohl Strafen für Unternehmen vor, die beim Entschlüsseln von Daten nicht mit Behörden kooperieren.

Weitere Stimmen im Netz:

Die Zahl der Woche lautet 1 Prozent und hat etwas mit schnellem Internet zu tun. 

An dieser Stelle lässt sich auch ein kleiner Tusch denken. Etwas mehr als ein Prozent der Haushalte beziehungsweise Wohnhäuser haben in Deutschland mittlerweile Glasfaser-Anbindung. Das heißt: Dort können die Daten schnell durch die Leitungen rauschen. Damit hat es Deutschland auf den vorletzten Platz in einem Europa-Ranking geschafft. Schlechter steht nur Polen da. Zum Vergleich: In Litauen sind schon fast 37 Prozent der Wohnhäuser und Haushalte an das Glasfasernetz angeschlossen. In Lettland rund 36 Prozent.

Das Breitband-Meme der Woche – das Stückchen Netzkultur, das uns besonders aufgefallen ist.

 „The Life of Pablo“ heißt das neue Album von Kanye West. Und das hat eine Besonderheit. Man kann es sich nicht kaufen, sondern bisher nur auf dem Streamingportal Tidal anhören. Das gehört Kanye Wests Homie Jay Z und fristet eher ein Nischendasein. Allerdings geht die Rechnung des Rappers nicht ganz auf. Statt dass seine Fans andächtig auf Tidal seiner Musik lauschen und dafür eine Abogebühr bezahlen, laden sie sich das Album illegal im Netz. Allein in den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung über 500 000 Mal. Das berichtet das Portal torrentfreak.com. Angeblich überlegt Kanye West jetzt vor Gericht zu ziehen. Aber nicht nur deshalb erntet er viel Spott. Er ist auch sonst in dieser Woche digital wieder sehr verhaltensauffällig geworden. Über Twitter hat er Mark Zuckerberg um eine Milliarde Dollar angebettelt, von seinen angeblichen Schulden in Millionenhöhe berichtet und sich außerdem selber für einen Grammy ins Gespräch gebracht.

Wirre Tweets und Eigenpromo in großer Schlagzahl. Das hat sogar Edward Snowden zu einer Reaktion provoziert, obwohl der sich sonst auf Twitter sehr zurückhält. Er schrieb: Please Clap. Also: Bitte applaudiert doch Kanye West.

Bild: Kanye West on YouTube on iPod touch! von Reyhan Dhuny (CC-BY-NC)

Kommentieren