• 4. September 2010 16:09
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 04.09.2010

Apple pingt und Gmail weiß was wichtig ist

Die "Medien und Meinungen" vom 04.09.2010


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Apple versucht mit Ping in der Welt der Sozialen Netzwerke fußzufassen. Fest in iTunes integriert, sollen wir uns hinter verschlossenen Apfelmauern über Musik unterhalten und mit Empfehlungen an Freunde den Verkauf ankurbeln. Als Steve Jobs seinen Jüngern am Mittwoch ein paar neue Gadgets vorstellte, war neben runderneuerten iPods und dem ehemaligen Hobbyprojekt AppleTV vor allem das neue iTunes eine Überraschung. Ein Soziales Netzwerk für Musikbegeisterte. Ping ist in der neuen Itunes-Version 10 bereits integriert und erinnert an eine Mischung aus Facebook, Twitter und Last.fm. Besonders deutlich betonte Jobs bei der Präsentation von Ping die Privacy-Einstellungen der Software. Er erklärte, dass für Leute, die lieber unter sich bleiben wollen, feste Freundeskreise angelegt werden könnten. So würden die Informationen auch wirklich nur im Bekanntenkreis bleiben (und innerhalb der iTunes-Welt natürlich). Zwar kann man Ping auch via iPhone oder iPod nutzen aber insgesamt bleibt Ping ein Soziales Netzwerk, in dem man eingesperrt ist. „It’s like having a social network in prison.“, resumiert der Musiker Jason Mauer via Twitter. Auch Cellistin Zoe Keating, Social-Network Heavyuserin, haut Ping nicht gerade vom Hocker. „Ping is not worth getting my knickers in a knot about.“, lässt sie ihre 1,3 Millionen Follower wissen. Spiegel Online prognostiziert sogar ein „rasantes Einschlafen“ des Dienstes und schreibt “Im iTunes-Ghetto wird der Dienst bald nur noch als stiller Datensammler all der Karteileichen ackern.“ Es scheint so, als würde Apple versuchen, krampfhaft auf den Social-Network-Zug aufzuspringen. Von dem sonst so innovativen Unternehmen haben viele Nutzer mehr erwartet als eine soziale Musikmarketingmaschine.

Auch viel diskutiert wurde in dieser Woche über Googles Priority Inbox. Auf Deutsch heißt die Googlemail-Erweiterung „Sortierter Eingang“ und stellt ein Emailpostfach dar, das Prioritäten setzt. Google entscheidet also, ob eine Email wichtig ist oder nicht. Ein umgekehrter Spamfilter sozusagen, womit Emails vorsortiert werden können. Der Posteingang ist nach Aktivierung des Zusatzdienstes dreigeteilt. Ganz oben erscheint eine Liste mit „wichtigen“ Mails, darunter eine Liste mit Nachrichten, die man selbst als wichtig markiert hat und darunter ist der Rest einsortiert. Mit dieser automatischen Sortierhilfe soll man bis zu sechs Prozent Zeit beim täglichen Emailgebrauch einsparen, schreibt Zeit Online mit Verweis auf Googleangaben. Das wäre dann eine Woche Zeitersparnis pro Jahr. Techcrunch-Autor Jason Kincaid ist begeistert. „It’s great. I love it. But it isn’t perfect.“ Im selben Artikel warnt der Autor aber auch davor, dass diese Art der Vorsortierung eine Tür öffnen könnte, die durchaus kritisch zu hinterfragen ist. Priority Inbox könnte nämlich ein erster Schritt hin zu einer neuen Art der Email-Kommunikation werden. Mails und später auch Inhalte von Sozialen Netzwerken würden demnach in Zukunft vielleicht nicht mehr chronologisch, sondern nur noch nach Relevanz aufgelistet, so der nachdenkliche Hinweis von Kincaid.