• 29. Oktober 2016 15:10
  • Medien und Meinungen

Algorithmen-Transparenz, Vine am Ende und eine Netzklingel

Die Medien und Meinungen vom 29.10.21016


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Merkel fordert Algorithmen-Transparenz
Großes Treffen der Medienschaffenden in dieser Woche in Bayern. Dort fanden die 30. Münchner Medientage statt. Zur Eröffnung hat Bundeskanzlerin Angela Merkel gesprochen und mehr Transparenz bei Internetplattformen gefordert. Ihr wichtigstes Schlagwort war ‚Algorithmen‘. Es ging ihr darum, inwieweit diese die Wahrnehmung von uns allen beeinflussen. Plattformen müssten ihre Regeln offen legen. Also was Nutzern angezeigt wird und was nicht. Gemeint sind natürlich unter anderem Facebook und Google, ohne dass die Kanzlerin diese explizit genannt hat. Die Plattformen mit ihren Algorithmen hätten sich in ein Nadelöhr für die Vielfalt der Anbieter entwickelt. Das sei eine Gefahr, weil Nutzer sich bequem in ihrer Wahrnehmung der Realität einrichten könnten.

„Algorithmen können das Bedürfnis nach Selbstbestätigung und die Abwehrhaltung gegenüber scheinbar überfordernden Informationsfluten verstärken, indem sie dafür sorgen, dass gezielt und fast ausschließlich bestimmte Informationen angeboten werden – solche also, die an die bereits offenbarten Interessen der jeweiligen Internetnutzer oder an Empfehlungen und Kommentaren ihrer Internetfreunde anknüpfen“,

sagte Merkel. Dafür sollen nach Meinung der Kanzlerin alle Nutzer sensibilisiert werden. Jeder müsse nachvollziehen können, wie die Gewichtung von Inhalten zustande kommt. Und da geht es der Kanzlerin wahrscheinlich nicht darum, dass die Plattformen tatsächlich im Detail ihre geheimen Formeln enthüllen. Auch wenn ihre Formulierungen bei den Medientagen da ein wenig missverständlich war.

Twitter stellt Vine ein
Tatsächlich bedauern einige das Ende. Vine hat nämlich etwas wie eine eigene Ästhetik und Kunstform geschaffen. Zu besichtigen waren nicht nur schräge Alltagsmomente, sondern auch sehr kreative Werke ohne erkennbaren Anfang oder Ende. Meistens mit einem Überraschungsmoment. So dass man eben verführt war, diesen Clip immer und immer wieder zu sehen. Es wird auch herausgestellt, dass in Vine viele schwarze Künstler eine Plattform gefunden hätten, die nicht – wie sonst die Medien – hauptsächlich von weißen Protagonisten dominiert wurde.
Allerdings hatte sich schon länger das Ende abgezeichnet: Die Nutzerzahlen waren rückläufig und viele Kreative sind zu anderen Plattformen wie YouTube oder Instagram abgewandert. Noch ein paar Monate soll Vine jetzt am Leben gehalten werden, damit sich Nutzer Inhalte sichern können. Und dann ist Schluss.

Breitband-Meme der Woche
Unser Breitband-Kollege Moritz Metz ist wieder für die Sendung „Netzbasteln“ bei DRadio Wissen schwer aktiv gewesen. Seine jüngste Arbeit hat das Zeug zum Meme. Eigentlich wollte er zeigen, wie einfach sich Analoges mit Digitalem verbinden lässt. Moritz hat  eine hundert Jahre alte Klingel mit einem Wlan-Chip versehen. Der hat eine eigene Internetadresse, so dass Hörer der Sendung die Klingel selber auslösen konnten. Und tatsächlich hat es in der Sendung dann über 350mal geklingelt. Und nicht nur das: Der amerikanische Blog Hackaday hat über das Experiment berichtet. Das hat wiederum das Video von der bimmelnden Klingel in die US-Youtube Trends auf Platz 48 katapultiert. Für Moritz hat das Experiment aber auch noch eine ganz praktische Bedeutung.

„Es gibt ja diese Brechtsche Radiotheorie, der gesagt hat: ‚Der Hörer muss auch zum Sender werden’. Und durch die Klingel wird er das zumindest ein bisschen, indem er ins Rundfunkstudio übermitteln kann: ‚Hey, ich habe gerade den Knopf gedrückt‘ und man könnte damit auch so Abstimmungen machen. Ganz analog und nicht über Apps. Es wäre aber auch ein bisschen nervig, denn man kann sich kaum mehr unterhalten, wenn diese Klingel im Hintergrund die ganze Zeit bimmelt.“

Die Medien und Meinungen wurden von Tim Wiese zusammengestellt.

Bild: „Vine, Twitter“ von Esther Vargas