• 19. Dezember 2015 12:12
  • Sendung vom 19.12.2015, Topic
  • 4 Kommentare

Das entschlüsselte Lächeln

Computer lernen fühlen


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Zu knapp vierzig Prozent glücklich, zu sechzig Prozent neutral: Glaubt man dem Erkennungs-Programm von Microsoft, sind das die Gefühle, die Leonardo da Vinci der Mona Lisa verliehen hat. Ein Mensch würde diese Emotionen zwar nicht unbedingt in Prozentangaben ausdrücken, aber den Gesichtsausdruck wohl als grundlegend freundlich interpretieren.

Ob an einem Lächeln, dem Klang der Stimme oder Gesten: Wissenschaftler arbeiten an Computern, die die Gefühle ihrer Nutzer entschlüsseln können. Wie gut sie darin bereits sind, hat Matthias Finger ausprobiert.

Was braucht ein Computer rein technisch gesehen, um emotionale Intelligenz zu meistern? Wo begegnen uns die „fühlenden“ Maschinen schon heute? Ist es vorstellbar, dass ein Programm unsere Gefühle besser nachvollziehen kann als ein Freund? Über „Affective Computing“, die Wissenschaft, Maschinen im Fühlen zu trainieren, sprechen wir mit Florian Blaschke, dem Leiter der t3n-Onlineredaktion.

Bild: Screenshot Microsoft-Tool

Kommentare

    Über diesen Beitrag habe ich mich sehr geärgert!

    Das Thema ist natürlich bestens geeignet, hellhörig zu machen. Vom dradio erwarte ich allerdings mehr Sorgfalt! Ein entscheidender Aspekt der Beziehung Mensch-Maschine ist nicht nur unerwähnt geblieben, sondern wurde fahrlässig und durchgängig ignoriert: Maschinen „wissen“ nichts, sie „erkennen“ nichts und wenn man so will „reagieren“ sie auch nicht. Maschinen sind keine handelnden Subjekte. Wir (Menschen) gebrauchen solche Formulierungen (Anthropomorphismen) zur sprachlichen Vereinfachung.
    Dass nicht einmal von dem von Ihnen ausgewiesenen Experten Florian Baschke der Hinweis auf diesen Unterschied kam, ist mehr als blamabel: nicht jedem Hörer ist dieser Unterschied zwischen sprachlichen Konventionen und tatsächlichen Gegebenheit ohne Weiteres klar.
    Der Hinweis hätte unbedingt in den Beitrag gehört! Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine ist verfälscht und tendentiös dargestellt worden.

    Ich erwarte Nachbesserung!

    P.S.: Braucht jemand die „Unterstützung“ einer Software, um die in diesem Kommentar ausgedrückte Emotion zu erkennen?

    Sehr geehrter Herr Paul,
    als Verantwortlicher für diese Sendung und die Themensetzung möchte ich Ihnen natürlich auf Ihre Kritik antworten.
    Ihr Einwand ist verständlich im Sinne, dass Maschinen Maschinen bleiben, sie kein handelndes Subjekt im dem Sinne sind und sein können, wie wir das und uns als Mensch begreifen. Allerdings: Genau das soll ja in Zukunft uns Menschen immer mehr „vorgegaukelt“ werden. Das Maschinen uns „verstehen“, sie auf uns reagieren. Ob der Mensch will oder nicht – und darum ging es uns auch im Gespräch – wird er eine Maschine als etwas handelndes empfinden. Selbst wenn er rational weiß, dass es nur eine Software ist, die dort Empathie simuliert.
    Und hier gebe ich Ihnen recht: Es hätte erwähnt werden können, dass diese ganze Thematik in einem Duktus besprochen wird, die eigentlich für das menschliche Empfinden vorbehalten ist – angesichts fehlender Alternativen und weil der Mensch, wie im Beitrag erwähnt, zur Vermenschlichung neigt.

    Tendentiös und verfälschend sehen wir den Beitrag und das Gespräch allerdings nicht. Es wird klar erwähnt, dass hier Algorithmen und Programme am Werk sind und keine fühlenden Wesen.

    In der Hoffnung Ihr Gemüt etwas beruhigt zu haben, wünsche ich schöne Feiertage.

    Jochen Dreier

    Sehr geehrter Herr Dreier!

    Vielen Dank für Ihre rasche Antwort und Ihr Bemühen um meine vorweihnachtliche Gemütslage.
    Leider konnte Ihre Erwiderung mich nicht beruhigen.
    Grund für meinen Ärger ist doch genau die Verbreitung von Besorgnis und Beklemmung in Bezug auf die zukünftige Leistungsfähgkeit von Computern.
    Um das klar zu stellen: ich bin ein Technik-Optimist. Und ich plädiere gerade aus meinem Optimusmus heraus für einen aufgeklärten Umgang mit Computern. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine ist (auch) eine emotionale und das darf so sein. Sie ist aber keine symmetrische Beziehung, also keine zwischen Gleichgestellten. Mein Computer ist mein Werkzeug. Ich kann auch eine emotionale Beziehung zu einem Laubbläser haben. Sehr selten (bei sog. Objektophilen) wird daraus eine echte Liebesbeziehung.
    In einer symmetrischen Beziehung – also zwischen zwei mündigen Menschen – ist die Verantwortung für die Beziehungsgestaltung geteilt.
    In meiner Beziehung zu Dingen oder unmündigen Wesen (Tieren, Kindern) trage ich die Verantwortung allein.
    Hier sehe ich Ihren Beitrag als tendenziös an: er hilft bei der Verbreitung der Auffassung, Technik sei unter Umständen unbeherrschbar und könne darüber hinaus die Herrschaft über den Menschen erlangen.
    Dazu trägt auch bei, dass „uns Menschen vorgegaukelt werden soll“, Maschinen könnten uns verstehen, wie Sie in Ihrer Erwiderung bemerken.
    Die Passivkonstruktion ist hierbei bemerkenswert, ganz besonders im Bezug auf „uns Menschen“! Wer will denn da vorgaukeln? Etwa die Maschinen?
    Herr Dreier! Nehmen Sie bitte deutlich Stellung!
    Wir Menschen wollen uns selbst was vorgaukeln. Und wir tun das auch. Ihr Beitrag tut es. Dagegen verwehre ich mich.
    Es kann sein, dass irgendwann eine künstliche Intelligenz als handelndes Subjekt anerkannt werden wird. Der Akt der Anerkennung wird dann von uns Menschen ausgehen.
    Die Menschen, die diesen Akt vielleicht in Zukunft einmal vollführen werden, sollen meines Willens nach besonders aufgeklärt sein, was ihre Beziehung zu Maschinen angeht.
    Der Hinweis, „dass Algorithmen und Programme am Werk“ sind reicht mir da nicht. Denn Algorithmen und Programme wären in dieser Zukunft die Träger der künstlichen Intelligenz.

    Ich bleibe dabei: bessern Sie nach, Herr Dreier!

    Ihr Name und mein Name bedeuten (noch) etwas anderes als „Siri’s“ Name.

    Brüderliche Grüße,
    Sven Paul

    (Witzig, dass ich jetzt wieder ein Häkchen machen muss vor dem Satz „Ich bin kein Roboter.“)

    Lieber Herr Paul, ich kann ja verstehen, dass Sie den Beitrag nicht korrekt und für falsch verkürzend empfinden, mich befremdet aber ihre geradezu sich herschaftlich gebende Aufforderung zur Korrektur in Ihrem Sinne. Wenn ich jetzt überall mich meldete zu Artikeln oder Beiträgen, die sich nicht mit meinen Auffassungen oder Weltanschauungen träfen, dann hätte ich den ganzen Tag nichts anderes zu tun.

    Und es geht hier für mich klar um Interpretationen, wie nämlich der Beitrag „gemeint“ ist. Wie im Übrigen soll eine Korrektur denn aussehen? Gegendarstellung? Entschuldigung, aber das kommt mir schon ein wenig lächerlich vor.

    Ich bin mir auch sicher, dass es sich – vor allem in der gegebenen Schärfe – um eine Einzel- / Mindermeinung handelt. Sie treten hier ja auf, als würden Sie für alle Hörer/innen sprechen.

    Ihre Meinung zu vertreten, ist Ihnen ja unbenommen, dafür ist ja z. B. auch die Kommentarfunktion da, und aus unterschiedlichen Auffassungen könnten sich dann auch interessante Diskussionen ergeben. Ihren ersten Kommentar finde ich auch argumentativ nachvollziehbar (bis auf die Tonlage und die Position, in die Sie sich setzen), – selbst wenn ich nicht Ihrer Meinung bin.

    Der monarchische Gestus aber, ganz ehrlich, disqualifiziert Sie dann für mich auch für eine mögliche inhaltliche Auseinandersetzung.

    Ich bin auch Hörer dieser Sendung und ich kann Ihre Aufforderung zur Korrektur weder nachvollziehen, noch würde ich sie gutheißen. Ich könnte dann aus der gleichen Haltung heraus die Korrektur der Korrektur fordern. Vielleicht wird ja dadurch auch für Sie nachvollziehbarer, und warum ich Ihr Auftreten von der Erwartungshaltung her für viel unangenehmer und ärgerlicher halte als das, was sie hier kritisieren.

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