• 2. Januar 2016 13:01
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 02.01.2016
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451, Verklag den Staat & #einElefantFuerDich


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Wenn im Netz eine Seite nicht gefunden werden kann, wird dem Nutzer häufig die Fehlermeldung „404“ angezeigt. „404“ steht für „Toter Link“, das heisst, der Nutzer wurde über einen Link zur Webseite geführt, der falsch ist.

451
Jetzt wird ein neuer Fehlercode eingeführt: „451“. Er soll erscheinen, wenn eine Internetseite aus rechtlichen Gründen nicht erreichbar ist. Man könnte auch sagen: 451 zeigt, dass die Seite zensiert wird.

Der neue Code geht auf eine Initiative von Tim Bray zurück. Der Software-Entwickler will, dass in Zukunft schön transparent ist, wenn durch Gesetze oder politische Entscheidungen Seiten gesperrt werden.

Fehlercode Fahrenheit
Wem 451 bekannt vorkommt, täuscht sich nicht, die Zahlenfolge ist nicht zufällig gewählt. Sie ist angelehnt an den Roman „Fahrenheit 451„. In dem Buch von Ray Bradbury geht es um einen Staat, in dem es verboten ist, Bücher zu besitzen oder zu lesen.

Seitenbetreiber oder Internetprovider können die drei Zahlen ab sofort anzeigen. Auch als eine Art politisches Statement gegen Zensur. Allerdings wird das totalitäre Regierungen nicht kümmern. Sie können die Verwendung von 451 einfach verbieten.

Verklag den Staat
Auf dem Chaos Communication Congress ist ein neues Portal vorgestellt worden, das es einfacher machen soll den Staat zu verklagen. Grundlage für „Verklag den Staat“ ist das Informationsfreiheitsgesetz, welches regelt, dass jede Bürgerin und jeder Bürger Einblick in interne Dokumente von Behörden gewährt werden muss.

So soll für mehr Transparenz gesorgt und Korruption vorgebeugt werden, nur funktioniert das leider nicht immer so ganz reibungslos. Es gibt Behörden, die blockieren. Deshalb will die Open Knowledge Foundation mit dem Portal Wege aufzeigen, wie man das Recht auf Informationen einklagen kann und dabei Unterstützung bekommt.

In Zukunft soll es beispielsweise eine Möglichkeit für Crowdfundings auf der Seite geben, da die Klagen teilweise mit Kosten von über 1000 Euro verbunden sind. Außerdem wird es auf der Plattform Berichte über aktuelle Informationsfreiheits-Verfahren geben.

Abschied nehmen
Das Netz – oder besser: dessen Nutzer – machen immer wegen Hassbotschaften, Stalking und anderen bedrohlichen Kommunikationsformen Schlagzeilen. Ein schönes und trauriges Beispiel dafür, dass es auch anders geht, hat die Twittergemeinde mit #eineElefantFuerDich gezeigt.

Der Hashtag bezieht sich auf den ergreifenden Blogeintrag einer Berliner Mutter, die sich von ihrer kleinen Tochter verabschieden musste. Kaiserinnenreich heißt der Blog, in dem die Journalistin Mareice Kaiser über ihr Familienleben schreibt und über ihre beiden Töchter berichtet. Kaiserin 1 und Kaiserin 2 nennt sie die beiden.

#eineElefantFuerDich
Kaiserin 1 ist mit einer Behinderung zur Welt gekommen. Mittwoch ist sie im Alter von vier Jahren gestorben. In dem Blogbeitrag zitiert ihre Mutter aus dem Lied „Ein Elefant für dich“ von Wir sind Helden. Da heißt es:

Ich werde riesengroß für dich
Ein Elefant für dich
Ich trag dich meilenweiter
Über’s Land…
Und am Ende des Wegs, wenn ich muss
Trage ich dich über den Fluss.

Das hat viele Menschen berührt, die der Familie durch #einElefantFuerdich Trost spenden wollen und deshalb Bilder von den starken Tieren posten. Gezeichnete, fotografierte oder eigens gebastelte.

So zeigt sich nach einem so unglaublich traurigem Ereignis doch wieder, dass es auch viel positive Kraft und Unterstützung durch das Internet gibt. Auch wenn es manchmal nur Gesten oder Gedanken sind.

Bildnachweis: Töröö 333/365 von Dennis Skley unter CC BY-ND.

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